Bericht vom zweiten Tag des 5. Fachkongresses der BAFM
Mediation zwischen Vision und Wirklichkeit:
- 19 Mediationsworkshops im open space -
Zunächst wurden alle Ideen zur Gestaltung der Workshops auf dem großen Marktplatz zusammengetragen: eine Anzahl von Themen war bereits von Themenpaten vorbereitet, neue Themen ergaben sich aus den Impulsreferaten des erstes Tages oder anderen Erfahrungen der Seminarteilnehmer. Der bereits am ersten Tag glänzend aufgelegte Moderator Arndt Küppers wurde unterstützt vom "Feuerwehrmann" Franz Branntwein, der durch seine hochkultivierte Form des Querdenkens und Blödelns zur Bereicherung des zweiten Tages beigetragen hat. Die für viele Kongressteilnehmer neue Methode des open space wurde sehr gut dargeboten und angenommen: 19 Workshops wurden abgehalten in unterschiedlichen Zeitspannen. Die Kongressteilnehmer teilten sich auf in "Hummeln", die die ganze Zeit in ihrem Themenworkshop waren und am Thema ernsthaft arbeiteten und "Schmetterlinge", die von Workshop zu Workshop flatterten und neue Impulse (hoffentlich!) in die Workshops brachten. €berwiegend haben die Kongressteilnehmer positive Erfahrungen mit der open space Methode gemacht und neue Erkenntnisse aus der Bearbeitung der interessanten und spannenden Themen gewonnen. Die Ergebnisse des Arbeitstages wurden am Ende auf Flipcharts und Marktständen dargestellt úeine höchst lebendige und auch optisch eindrucksvolle Demonstration der schönsten Ideen, spannendsten Erkenntnisse und offenen Fragen des zweiten Kongresstages.
Inzwischen sind die Ergebnisprotokolle aller Workshops eingetroffen. Wir danken den Themenpaten und Protokollanten für ihre Bereitschaft und ihren Arbeitseinsatz. Die nachfolgenden Protokolle mögen eifrig gelesen werden und somit nochmals neue Impulse auslösen. Wir würden uns freuen, wenn Rückmeldungen zu diesen Protokollen entweder an uns kommen oder je nach gusto direkt an die Verfasser der Berichte geschickt werden. Ferner haben wir eine Zusammenstellung der schriftlichen Rückmeldungen zum Kongress gemacht. So hoffen wir, dass der 5. Fachkongress der BAFM in guter Erinnerung bleibt.
Heidelberg, 01. Juni 2005
Lis Ripke & Reiner Bastine
Workshop 1: Malerische Impressionen
Themenpaten Friederike Woertge, Sepp Eiber, Joachim Kuth
Workshop 2: Großgruppen und Kunst
Themenpaten Friederike Woertge, Sepp Eiber, Joachim Kuth
Workshop 3: Binationale Paare
Themenpate Siegfried Rapp
Workshop 4: Normen ú Ein Tabu für Mediatoren
Themenpater Reiner Bastine
Reiner.Bastine@urz.uni-heidelberg.de
Workshop 5: Meine Kinder ú Deiner Kinder ú Unser Problem
Themenpatin Ingrid Pfeiffer
institut@mediation-stuttgart.org
Workshop 6: Kreativitätstechniken in allen Phasen der Mediation
Themenpate Stefan Kessen
Workshop 7: Gleichheit für alle
Themenpatin Sabine Zurmühl
Workshop 8: Vision über die Zusammenarbeit von Mediatoren unterschiedlicher Berufsfelder
Themenpaten Hansjörg Schwartz und Christoph Paul
Workshop 9: Einfluss unterschiedlicher therapeutischer Schulen auf Mediationstechniken
Themenpate Heiner Krabbe
mail@mediationswerkstatt-muenster.de
Workshop 10: Haltung des Mediators im Quellenberuf
Themenpaten Dagmar Lägler und Gertrud Platt-Rossbach
Workshop 11: Spielend lernen
Themenpatin Annette Löning
Workshop 12: Körperwahrnehmung als kreatives Potential in Konfliktbearbeitung und Mediation
Themenpate Karl-Heinz Schubert
Workshop 13: Einführung der Mediation im Sozialamt
Themenpate Thomas Rust
Workshop 14: Ambivalenz und Abbrüche
Themenpate Peter Kunkel
Workshop 15: Mediatoren als Medianten
Themenpate Alexander Dees
Workshop 16: Marketing und Úffentlichkeitsarbeit
Themenpatin Katrin Entenmann
Workshop 17: Einzelgespräche in der Familienmediation
Themenpatin Dr. Barbelies Wiegmann
wiegmann-mediation@t-online.de
Workshop 18: Das ideale Mediationsbüro
Themenpate Ulf Wacker
Workshop 19: Ein Fall für drei
Themenpatin Barbara Wiertner
Workshop 1:
Malerische Impressionen
in Zusammenhang mit
Workshop 2:
Großgruppen und Kunst
Themenpaten Friederike Woertke, Sepp Eiber, Joachim Kuth
Großgruppen und Kunst ú oder:
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!
Idee und Ziel:
v Mit gestalterischen Mitteln der Kunst Haltungen, Gefühle und Bewusstsein in Interaktion umzusetzen
v Gemeinsames Größeres schaffen ohne Individuelles zu verlieren
v Mit Mediation ein Produkt entwickeln
Mitzubringen: Altes Hemd und/oder Schürze
Malerbedarf vorhanden
Was passiert?
Ein Personenkreis von mindestens 8 und max. 32 Personen denkt sich zu einem Thema zunächst in der Zweiergruppe, dann immer verdoppelt in der jeweils größeren Gruppe ein Bild aus und setzt dieses malerisch um. Das Format des Bildes verdoppelt sich jeweils in der Größe, bei jedem Schritt wird jedoch ein neues Bild geschaffen, wobei Teile der früheren Bilder als Collagen mitverwendet und eingearbeitet werden können.
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Zeitlicher Ablauf |
Personenkreis |
Format des Bildes |
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Begrüßung, Erläuterung des Projektes (15 Minuten)
Entwicklung der Themen, wobei ein Oberthema feststeht, nämlich Haltung des/der MediatorsIn, Unterthemen sind frei, Anregung: z.B. Bubbles, Buttons, Reframing und Balancing, aber auch deutsch: Neutralität, aktives Zusehen, Dominanz, Ausgleich, aber auch Begriffe wie spiegeln, normalisieren, fokussieren auf die Zukunft, zusammen-fassen, Variation der Hypothesen, Spiel mit Optionen etc. sind möglich. Es sollte jedoch im weitesten Sinn unter den vorgegebenen Ober-begriff fallen, also integrierbar sein, diesen Oberbegriff jedoch phantasievoll differenzieren.
Fragen stellen und Phantasie spielen lassen. |
Großgruppe
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Jeder für sich im Kopf Ideen sammeln.
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1. Aktion (20 Minuten) |
Zweiergruppe (1 + 1) |
30 x 45 cm |
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2. Aktion (20 Minuten) |
Die Zweiergruppen finden sich zu jeweils Vierergruppen zusammen (2 + 2) |
60 x 45 cm |
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3. Aktion (20 Minuten) |
Die Vierergruppen finden sich zu jeweils Achtergruppen zusammen (4 + 4) |
60 x 90 cm |
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Pause (15 Minuten) |
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4. Aktion (30 Minuten) |
Die Achtergruppen finden sich zu jeweils 16er-Gruppen zusammen (8 + 8) |
120 x 90 cm |
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5. Aktion (30 Minuten) |
Die zwei 16er-Gruppen schließen sich zur Großgruppe von nunmehr 32 Personen zusammen (16 + 16) |
120 x 180 cm |
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Rüsume (etwa 15 Minuten) |
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Idee und Konzept
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BEWUSSTSEIN |
VERDEUTLICHEN |
VERSTEHEN |
VERHANDELN |
ERGEBNIS |
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BEWUSST WERDEN |
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FEEDBACK |
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Worum geht es? |
Ich will! |
Du willst! |
Was tun? |
Was ist passiert? |
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An was denke ich bei dem Begriff?
Was löst der Begriff, das Thema, die Idee bei mir (an Bildern) aus? |
Ich versuche meine Idee, meine Darstellung in Worte zu fassen und dem anderen zu erklären. |
Ich versuche, Sicht und Idee des anderen zu verstehen. |
Wie können wir voller Respekt
- beide Ideen vereinen - ergänzen - überarbeiten - ...was auch immer |
- Was ist herausgekommen? - Finde ich mich wieder? - Findest Du Dich wieder? - Finden wir uns wieder? - Was ist gelungen? - Was wäre verbesserungswürdig (Zusammenarbeit und Ergebnis?) - Was ist überhaupt passiert? |
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ICH |
ICH/DU |
DU/ICH |
WIR |
ES |
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Dies könnte ich darstellen mit folgenden - Farben - Material - Formen ... |
Mein Gegenüber spiegelt mir wider, was er/sie verstanden hat. |
Ich teile dem/der anderen mit, was ich verstanden habe. |
Aktion spielen Was ist möglich? Auswerten und entscheiden |
Im Idealfall:
Wachstum - Komplexität im positiven Sinne - differenziert/einzigartig - integriert/verbunden mit Bereicherung |
AUßER SPASS ú GEDANKEN, IDEEN UND ZIELE DES PROJEKTES
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S c h r i t t e i n n e r h a l b d e r e i n z e l n e n A k t i o n e n |
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Idee/Ziel: - Klarheit finden, Intensivierung der eigenen Sicht (ist das zu Anfang eher verschwommene Ziel das was ich will?) - die Rückmeldung über meine visuelle Vorstellung vom Gemälde ermöglicht €berprüfung und Korrektur. - durch die Rückmeldung und das klarere Ziel (looping) folgt außer innerer Ordnung und Klarheit über das Vorhaben auch Freude.
Nachteil: - Zwischenschritt: Die kreative Aktion ist noch Éauf dem Wegú, die eigenen Ideen müssen noch eingebunden werden. - Der Beitrag ist noch unvollständig, es gibt zwar ein visuelles Bild, die Umsetzung und Integration mit dem anderen ist jedoch noch unklar, - das Verfahren, die Regeln und Ziele, die die gemeinsame Aktivität steuern, müssen noch erfunden und spontan ausgehandelt werden.
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Idee/Ziel: - Erweiterung des Bewusstseins, Sammlung der Konzentration mit Blick auf den anderen und vielleicht auch die Welt im Allgemeinen.
- sich öffnen schafft Verbundenheit, evtl. Erweiterung der eigenen Sichtweise.
Nachteil: - Komplexität im negativen Sinne, die eigene Ordnung wird gestört, - was jetzt? Ziele und Regeln, die die gemeinsame Aktivität steuern sollen sind noch unklar, verschwommen oder nicht ausgehandelt. - Verunsicherung, was das Ziel ist, was Égut oder schlechtú ist. - offener Ausgang |
Idee/Ziel: Integrierung - Spontanität, Úffnung für spielerischen Umgang, neue Möglichkeiten - Gedanken und Gebilde jenseits des Selbst, der eigenen Ideenwelt entwickeln, - Verbindung mit anderen Menschen (Integration), - Regeln und Ziele, die die gemeinsame Aktivität steuern werden erfunden oder spontan ausgehandelt, - alles wird Ékomplexerú im positiven Sinne, dadurch aber auch bereichert, - sich selbst Éein Stück weitú zurückstellen zu können kann auch ganz angenehm sein, im gemeinsamen Schaffen kann passieren:
*der Verlust der Bewusstheit von sich selbst (nicht des Selbstbewusstseins!)
*ohne dieses Selbstgefühl schafft das vertrauensvolle Zusammenarbeiten Verbundenheit und Sicherheit im Gemeinsamen und Selbstvertrauen
*Konzentration auf den Moment der Gegenwart und das Gemeinsame schafft neue Fähigkeiten, bedeutsamere Beiträge für alle
*der Verlust des Selbstgefühls kann zur Selbsttranszendenz führen, also dem schönen Gefühl, die Grenzen des eigenen Seins auszudehnen
Nachteil: - bei unbefriedigender Interaktion kann die Einzigartigkeit als verloren, die eigene individuelle Leistung als Verlust empfunden werden, - gleiches Ergebnis möglich bei Teilnehmern, die sehr stark Wert auf eigenständige Individualität legen (Gefahr: Egozentrik) |
Idee/Ziel: Differenzierung und Integration, d.h. auf der einen Seite Entwicklung einer Einzigartigkeit, auf der anderen Seite Verbindung mit anderen Menschen, mit Gedanken und Gebilden jenseits des Eigenen zu einem größeren Ganzen.
- Ésich hingebenú, akzeptieren, dass Éetwas geschiehtú. In gewisser Weise also auch Delegation. Man vergisst die eigenen Absichten im Detail, sieht das Spiel als Ganzes, lässt alles andere hinter sich, was für dieses Spiel nicht besonders wichtig ist. Wenn es gut läuft: Befinden wir uns in Harmonie, jeder fühlt sich wie der andere, es entsteht Spaß und das Gefühl eins zu sein.
- Konzentration: Vielleicht eine Nebenerscheinung, aber ein sehr angenehmes Gefühl, die unangenehmen Aspekte des Lebens zeitweise zu vergessen.
- Veränderung des Zeitgefühls, dieses wird durch die von der Aktivität diktierten Rhythmen möglicherweise bedeutungslos, auch eine Folge bei intensiver Konzentration.
- Entspannung, Wohl, innere und äußere Ordnung, Harmonie.
- Selbstvertrauen, das Gefühle die Grenzen des Seins ausgedehnt zu haben und etwas bedeutungsvolles Gemeinsam geschaffen zu haben. Dies ist Folge einer engen Interaktion: Einer konkreten Erfahrung und etwas anderem, einer Interaktion, die ein seltenes Gefühl von Einheit mit diesen gewöhnlich fremden Erfahrungen und Gefühlen auslöst.
- Wenn wir uns im gleichen Rhythmus auf ein gemeinsames Ziel hinbewegen, empfinden wir uns als Teil des Ganzen. Wenn wir alle vorhandene psychische Energie in eine Interaktion stecken, werden wir mit der Zeit zum Teil des Systems. Dieses System und seine Energie erhält seine Form durch die Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Wir sind selbst Teil dieses Systems, weiten unsere eigenen Grenzen aus und es wird nicht nur das ÉGanzeú, sondern auch wir einzelnen komplexer als zuvor. |
Resümee: Damit die Ziele in eine erfolgreiche Interaktion münden, die das gemeinsame und individuelle Wachstum verstärken, muss jeder einzelne ermutigt werden, seine einzigartigen Züge und Fähigkeiten zu entwickeln und sich individuelle Ziele zu setzen. Integration führt auf der anderen Seite dazu, dass das, was mit dem einzelnen Teilnehmer geschieht, auch alle anderen beeinflusst. Die expressiven Fertigkeiten sollen helfen, subjektive Erfahrungen auszudrücken, mit dem Malen des Bildes sollen Gefühle dargestellt werden, mit der expressiven Tätigkeit tritt man in Kontakt mit dem eigenen Selbst, aber auch dem Gefühl von Ganzheit, welches die Expressivität schafft.
Ziel der expressiven Interaktion ist die Selbstverwirklichung und die Verwendung von psychischer Energie in ein gemeinsames Ziel unter Einschluss der Bereitschaft zum Risiko, die dadurch entsteht, dass die Komplexität zwangsläufig zunimmt. Die Herausforderung, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, ist eine sehr komplexe Aktivität für ein Individuum, kann aber auch die Chance bieten, wirklich Freude und Spaß zu haben Éüber den eigenen Horizont hinausú. Soweit die Interaktion klappt, wird sich die Erfahrung des einzelnen wie auch der Gruppe als Erlebnis mit echtem Wert und Freude einstellen.
Sinn des Projektes, der Aktion und der Interaktion ist es, Ordnung in den Inhalt des Bewusstseins des einzelnen zu bringen, in der Folge darüber hinaus Ordnung in den Inhalt des Bewusstseins im Sinne von Erweiterung und Wachstum, indem die Handlungen der Einzelnen zu einer einheitlichen Erfahrung der Gruppe gefügt werden. Dieses übergreifende Zielsystem verleiht Sinn und Harmonie im Bewusstsein, Gefühle und Wünsche werden erkannt, sinnvoll auf deren Erfüllung und Integration hingearbeitet, dadurch stehen Gefühle, Gedanken und Handlungen miteinander im Einklang. Zweck, Entschiedenheit und Harmonie lassen die ganze Aktion als Einheit erscheinen und geben ihm einen Sinn, indem sie es in eine nahtlose Erfahrung gemeinsamer Glückserfahrung umwandeln. Dieses Ergebnis beruht auf optimalen Erfahrungen des einzelnen und der Gruppe.
Friederike Woertge
09. Januar 2005
Ich kann über zwei Workshops berichten, über den Workshop
1. Malerische Impressionen zu Bubbels, Buttons und
ferner über den Workshop
2. Großgruppen und Kunst oder: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Ihr bekommt auch Fotos entweder per E-Mail oder als CD, die die Begeisterung und Lebendigkeit unserer Aktionen treffend wiedergeben.
Die Aktion ÉMalerische Impressionen zu Bubbels, Buttons und Balancingú im Foyer der Universität wurde je nach Temperament freudig (Jochen Hiersemann ÉJawohl, jetzt male ich hier die Insel der Glückseeligkeitú) oder vorsichtig herantastend wahrgenommen. Eine Entdeckungsreise war es ú egal ob malerischer Anfänger oder Fortgeschrittener ú alle mal. Themen wie Ausgleich, Autonomie, Brille, Reframing, Vergebung, quid pro quo, walking in the moccasins of the other, Bubbels and Buttons and Balancing, wurden weniger impressionistisch, sondern mehr expressionistisch unverfälscht und impulsiv sichtbar gemacht. Es entstanden 36 kleine Gemälde auf Keilrahmen, die ú überwiegend in den drei Grundfarben der BAFM ú zu einem großen Puzzle-Bild zusammengefügt wurden. Die Künstler waren spürbar stolz auf ihr einzelnes, aber auch auf das Gesamt-Kunstwerk.
Von verschiedenen Seiten wurde der Wunsch geäußert, Mal-Aktionen in dieser Form, also der Verbindung von Kunst und Mediation, der Auseinandersetzung mit Themen der Mediation, Emotionen und gestalterischem Ausdruck derselben fortzusetzen. Nachdem mein eigenes Atelier zu klein für derartige Aktionen in der Gruppe ist, habe ich einen größeren Arbeitsraum ausfindig gemacht und werde April/Anfang Mai 2005 ähnliche Aktionen mit Begeisterten durchführen.
Abschließend eines meiner Lieblingsgedichte zu unserer malerischen Suche, welches eigentlich ein Abendgebet zur Sache eines deutschen evangelischen Kirchentages war, dies obgleich ich keiner Konfession angehöre:
Auf dem Weg zur Mitte
nach innen und wieder hinaus
oder außen
zögernd
doch in Bewegung
in Feuer und Wasser
Natur und Kultur
die Farben des Lebens entdecken
unterwegs miteinander
Menschen jeder Couleur
überall auf der Erde
suchen wir
dich
Weg der Gerechtigkeit
Leben.
Neben der Fähigkeit, kreativ Lösungen zu finden, entstand nach meinem Gefühl zwischen den Künstlern trotz ihrer Vielfalt und unterschiedlichen Charaktere Gleichklang gemäß der Erfahrung Éein paar Stunden gemeinsam gegangen, gefangen, gelangen wir zum Fluss ...ú.
Der Wokshop 2. Großgruppen und Kunst oder: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile wurde von mir gründlicher geplant und hinterfragt. Ich habe hierzu ein Konzept erstellt, welches ich als Anlage beifüge.
Gemeinsam Größeres schaffen ohne Individuelles zu verlieren. Mit gestalterischen Mitteln der Kunst Haltungen, Gefühle und Bewusststein in Interaktion umzusetzen.
Feedbacks einzelner Teilnehmer bringen besser zum Ausdruck, was in der Gruppe der Teilnehmer erfahren wurde. Ich selbst war ergriffen vom Engagement, der Offenheit für individuell neue Arbeitsmittel, überhaupt Neugierde und Spaß bei den Teilnehmern. Die Atmosphäre war fantastisch.
Kunst und Mediation, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Bewusstsein, verstehen und Verständnis der Vorstellungen des Mitschaffenden, Kommunikation, Auseinandersetzung und Kooperation als Voraussetzung für die Belohnung eines Égemeinsamen Werkesú konnten geübt werden. Dies verlief ú wie die Feedbacks zeigen ú in der Zusammenarbeit je nach Größe der Gruppe (die Gruppen verdoppelten sich nach jeder Phase bis hin zur Großgruppe) unterschiedlich, d. h. mit dem Anwachsen der Gruppen wurden die Bilder größer und strukturierter und beim Gesamtkunstwerk der Großgruppe verblüffend minimalistisch und klar. Beide ÉLagerú der Großgruppe waren sich zuletzt darüber einig, dass dem (minimalistischen) Gesamtkunstwerk nichts mehr hinzugefügt werden dürfe. Dem habe auch ich nichts mehr hinzuzufügen.
Was mich sehr gefreut hat waren vielfältige Reaktionen nach dem Kongress, welche die für mich durchaus (logistisch) aufwendigen Aktionen in meiner Erinnerung als Erfolg bestätigen. Es hat auch mir riesig Spaß gemacht! Danke für alle Rückmeldungen!
Herzliche Grüße
Friederike Woertge
Hallo liebste Frederike,
Die Implementationsthese "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" des Workshops "Kunst und Mediation in Großgruppen" zeigte sich nicht nur dann am Endergebnis, sondern auch schon im Prozess des Gestaltens. Es galt ja nicht nur sich in immer größer werdenden Gruppen sich auf ein neues Bild zu einigen, sondern auch altes, bereits Entstandenes wieder hinter sich zu lassen oder aber zu integrieren in ein neues Bild. Integration hieß aber nicht nur, möglicherweise materiale Teile des alten Bildes in einem neuen zu verarbeiten, sondern auch bei einem völlig neuen Konstrukt ging der mentale Prozess des gemeinsamen Schaffens nicht verloren, sondern wurde in einem neuen Bild integriert und damit wurde dieses Konstrukt mehr und größer auch im übertragenen Sinne als das vorhergehende.
Bei den sich herausbildenden Gruppen ließen sich zwei unterschiedliche Ausdrucksweisen in der Gestaltung erfahrbar machen. Die eine war ein Muster überbordender, verspielter, opulenter und expressiver Gestaltungslust. Die andere fand schon sehr früh in eine zurückhaltende, abstrakte, an Strukturen orientierte Art der Gestaltung hinein. Zwei unterschiedliche, gleichwertig nebeneinanderstehende Weisen, wie Gefühle und emotionaler Ausdruck auf der einen und Rationalität und analytischer Zugang auf der anderen Seite. In der Konvulsion beider Gruppen am Ende, bei der Herstellung eines gemeinsamen Bildes hätte man unter diesen Voraussetzungen eher einen Konflikt erwartet. Im Gegentel jedoch fand die letzte, große Gruppe sehr schnell eine Einigung auf die Gestaltungsart und das expressive Konstruieren. Es entstand das wunderschöne expressive Abbild von verschiedenen Bewegungen: ein Bogenstrich und eine vernetzte Struktur.
Am Ende kann dieser Gestaltungsprozess als Ausdruck eines mediativen Prozesses verstanden werden, der von den individuellen Bedingungen des emotionalen und materialverhafteten Ausgangspunktes hin zu einem Ausdruck gemeinsamer Ideen und Werte führt. Darin dokumentiert sich auf seine eigene Weise auch im kreativen gemeinsamen Gestalten der Kern der Mediationsstruktur: aus den einzelnen Positionen gemeinsame Interessen zu destillieren die als eine allgemeine Struktur das Einzelne überformt. Im Prinzip kann hier der Prozess einer "Wahrgebung" erkannt werden, der Emotionalität, Expression und Opulenz einerseits und Rationalität, Abstraktion und strukturelle Reduktion andererseits integriert und weiterentwickelt zu einer Art Transrationalität, die verschiedene Pole nicht nur befriedet, sondern aufhebt und weiterentwickelt. Wäre das nicht Mediation wie wir sie uns wünschen?!
Sepp Eiber
Liebe Friederike,
der Workshop hat großen Spaß gemacht. Es war augenscheinlich, daß es noch viele Mediatoren gab, die Berührungsängste mit Farben und der kreativen Auseinandersetzung mit Mediationsthemen haben.
Bei allen, die jedoch zugeschaut haben oder nachher das Ergebnis bewunderten, konnte man feststellen, daß sie vielleicht doch gerne mitgemacht hätten oder sich dies für das nächste Mal überlegen.
Für mich war faszinierend, wie verbunden man sich mit der jeweiligen Gruppe fühlte, in der ein neues Werk entstand, egal ob dies die Kleingruppe oder nachher auch die Großgruppe war. Man war auf das Ergebnis der Gruppe und "sein Bild" stolz, auch wenn - so wie beim letzten Bild - eigentlich nur zwei oder drei Personen aus der Gruppe überhaupt am Bild aktiv gemalt haben.
Da ich bisher ja bis auf Rollenspiele immer der Mediator und nie der Mediant war, war dies viel intensiver als in den Rollenspielen, das Erfühlen, wie es jedem in der Mediation geht, und wie stolz und befriedigend man über das Endergebnis sein kann.
Liebe Grüße und eine sonnige Woche
Michaela
Workshop 3:
Binationale Paare
Themenpate Siegfried Rapp
Liebe Jutta, lieber Christoph, liebe Sabine, liebe Lis,
lieber Reiner,
noch einmal meine Gratulation zu dem gelungenen Kongress in Heidelberg! Ich
habe viele neue Eindrücke, Ideen und schöne Gesprächssituationen mitgenommen.
Die Themenpatenschaft war eine sehr intensive Erfahrung. Vielen Dank Lis und
Reiner, dass ihr so kräftig mitdiskutiert habt.
Ich hatte Maria Eugenia gebeten, einen Bericht über mein Kongress-Thema:
"Binationale Paare" zu schreiben. Diesen sende ich Euch im Anhang.
Werdet Ihr die gesammelten feedbacks an die Themenpaten weitersenden?
Viele Grüße aus dem - noch immer winterlichen - Süden
Siegfried
Zu Beginn des Workshops fanden sich 16 Teilnehmer ein.
Ausgangspunkt für die €berlegungen waren die Fragen:
Welche Besonderheiten sind in der Mediation mit binationalen Paaren zu beachten? Wie können wir uns auf die sprachlichen und kulturellen Unterschiede als Mediator/-in einstellen? Wie gehen wir mit Kindern von binationalen Paaren um?
Nach einer Vorstellungsrunde, bei der die Teilnehmer/-innen kurz ihr Interesse an dem Thema erläuterten haben, schlug Siegfried Rapp ein Rollenspiel vor, das die Vielschichtigkeit der Problematik erhellen sollte. Markus, deutscher Staatsbürger, Software-Fachmann, und Cristina aus Argentinien, ohne Beruf, seit Jahren miteinander verheiratet, leben in Deutschland. Sie haben ein dreijähriges Kind. Cristina ist entschlossen, mit dem Kind zurück nach Argentinien zu gehen.
Die Darsteller des Paares nahmen Platz, die anderen Teilnehmer scharten sich je zur Hälfte eng um jeden von ihnen. Sie hatten die Anweisung, die innere Stimme des jeweiligen Medianten zu sein und mögliche Gedanken und Gefühle der Person auszudrücken. Für Cristina und Markus, die zunächst nichts sagen durften, waren die geballten Aussagen des Gegenübers sehr belastend. Um diese Situation zu entlasten, wurde vorgeschlagen, die Hauptdarsteller als integrierende Leitung der jeweiligen inneren Stimmen einzusetzen und Stellung zu nehmen.
Hinsichtlich des Themas des Kongresses ÉWirklichkeit und Visionú konnten folgende Aspekte anschließend herausgearbeitet werden:
WIRKLICHKEIT
ÉKulturelles Grundrauschenú
Im Umgang mit binationalen Paaren gibt es eine Vielzahl von Vorstellungen, Empfindungen, Wahrnehmungen, die durch die kulturelle Prägung jedes einzelnen bestimmt wird. Sie wurde mit Ékulturellem Grundrauschen bezeichnet. Wie die Diskussionsbeiträge zeigten, ist es jedoch sehr schwer, eine klare Grenze zu ziehen, die erkennen ließe: das sind Eigenheiten der Person, weil sie ein Individuum ist, das sind Eigenschaften, die ein Individuum als Teil einer kulturellen Gemeinschaft ausweisen. Und wo fangen eigentlich diese Unterscheidungen an, sind sie typisch für Auslände oder kommen sie nicht auch beispielsweise zwischen Schwaben und Norddeutschen vor?
Eine weitere Schwierigkeit bereitet die Benennung solcher Eigenschaften. An ehesten können sie in Strukturen der Muttersprache erkannt werden: sprechen in abstrakten Begriffen oder eher in Bildern. Wahrnehmung durch unterschiedliche Sinnesorgane: in einer definierten Situation Ésiehtú ein Spanier, während ein Deutscher Ériechtú. z.B. jemanden nicht riechen können. Werden in solchen Ausdrücken unterschiedliche Denkstrukturen sichtbar?
In diesem Zusammenhang wurde auch besprochen, dass Sprache Identifikation stiftet, ein Zufluchtsort ist aber auch Barrieren aufbauen kann.
Bilder im Kopf
In jeder Situation assoziieren wir frühere Erfahrungen und stülpen möglicherweise Menschen Vorstellungen über, ohne sie wirklich in ihrer Eigenheit wahrzunehmen. In diesem Zusammenhang wurde vor dem Mythos Ausländerú gewarnt und von der ÉKulturalisierungú von Menschen gesprochen, was meinen soll, dass erst die Zuweisung andere in besondere Rollen oder Problematiken versetzt.
Konkret in der Mediation können das Rollenverständnis (z.B. als Mann oder Frau) starke Vorbehalte und Missverständnisse hervorrufen. Sprachschwierigkeiten ú sich in einer Fremdsprache in Stresssituationen ausdrücken zu müssen ú können ernsthafte Hindernisse in der Verständigung hervorbringen. Die Hinzuziehung von Dolmetschern wurde von vielen als zusätzliche Belastung durch den zeitlichen Aufwand und der möglichen Unschärfe in der €bersetzung gesehen. Herausgearbeitet wurde die Einsicht, dass bei binationalen Paaren einzig eine gemischte Co-Mediation angebracht ist. Idealerweise sollten beide Mediatoren die Fremdsprache beherrschen und vielleicht auch jeweils aus einem der Länder stammen. Auf diese Weise kann eine Balance besser gewährleistet und ggf. das Einsetzen von Machtmitteln besser überwunden werden (z.B.: ich verstehe nichts, ich bin der ausgegrenzte Ausländer, ich bin die misshandelte Frau eines Ausländers usw.). Als hilfreich wurde die Möglichkeit empfunden, solche persönlichen Struktur- und Selbstverständnisunterschiede offen anzusprechen und spielerisch damit umzugehen.
Strukturelle Schwierigkeiten:
Hier wurde eindeutig die Problematik des Aufenthaltsstatus der ausländischen Person benannt. Die drohende Ausweisung kann klar ein Machtfaktor in der Mediation werden. Auch der Zugang zu Einrichtungen und Behörden kann durch Gepflogenheiten aus der Heimat des Medianten erschwert sein. Auch finanzielle Schranken sind ein Hindernis, z.T. auch um überhaupt an Mediation zu denken. Hier wurde auch die Problematik Édas Bild der Mediation in der Úffentlichkeitú gestreift.
Weitläufig könnte man auch die Entfernung als strukturelle Erschwernis bei der Scheidung binationaler Paare betrachten. An ihr scheitern oft die Versuche eines Elternteils, Kontakt zu den Kindern zu bekommen oder zu erhalten An dieser Stelle wurde klar, dass die ohnehin schwerwiegenden Folgen einer Scheidung für Kinder bei binationalen Paaren um einiges potenziert sind. Ein Teilnehmer erinnerte an dieser Stelle an den Grundsatz der Freiwilligkeit bei Vereinbarungen. Wenn sie ernst genommen wird, ist sie die beste Gewähr für die Einhaltung.
VISION
Co-Mediation
Bedingt durch die zahlreichen bestimmenden Faktoren scheint es bei binationalen Mediationen eine klare Indikation für eine Co-Mediation zu geben: Frau und Mann als Mediatoren, Kenntnisse der Sprache, Verwurzelung im Lebensraum der jeweiligen Medianten, vielleicht sogar jeweils dort ansässig. Das Team sollte sich kennen und gut eingespielt sein.
Fokusieren auf die Kinder
Bei binationalen Mediationen sollten die Kinder als Hauptleidtragende stark in den Mittelpunkt gestellt werden.
Grundsatz der Freiwilligkeit
Beim Ausarbeiten der Vereinbarung sollte bereits stark das Element der Freiwilligkeit herausgearbeitet worden sein.
Internationale Vernetzung der Mediatoren
Einrichtung von internationalen Verbänden oder Foren könnten sich als sehr hilfreich für die Durchführung binationaler Mediationen herausstellen.
Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Behörden anderer Länder
Um die Ergebnisse der Mediation zu sichern, wäre eine strukturelle Verankerung in beiden Ländern (Zusammenarbeit mit einschlägigen Berufsverbänden, Behörden) von Nöten.
Systematisch-empirische Begleituntersuchungen
Um die Folgen von Trennung und Scheidung bei binationalen Paaren besser abschätzen zu können, wurde angeregt, dass der BAFM systematisch empirische Begleituntersuchungen bei Forschungsinstituten vorantreiben sollte.
Zugang zur Mediation
Damit die Hürde ÉFinanzierbarkeitú der Mediation abgemildert würde, sollte über die Einrichtung einer Stiftung nachgedacht werden. Vielen binationalen Paaren aus finanzschwachen Kreisen könnte so der Zugang zur Mediation erleichtert werden.
Workshop 4:
Normen ú ein Tabu für Mediatoren?
Themenpate Reiner Bastine
Reiner.Bastine@urz.uni-heidelberg.de
Der Arbeitskreis begann mit verschiedenen Beispielen der Teilnehmer, in denen sie in der Mediation mit verschiedenen Arten von Normen und normativen Erwartungen konfrontiert waren. Solche Beipiele waren (es sind mir nicht mehr alle präsent): das Umgehen mit zwingenden Rechtsnormen, die Konfrontation mit verschiedenen kulturellen Normen (z.B. wenn ich als deutsche Mediatorin mit den Normen des familiären Zusammenlebens in holländischen oder spanischen Familien zu tun bekomme), mit der eigenen Erwartung, dass eine Entscheidung der Eltern zu Lasten eines Kindes geht, bei Suizid-Androhung usw.
Wir haben dann verschiedene Bereiche erarbeitet, in denen Normen eine Rolle spielen:
- für die Medianten: wie gehen sie bei ihren Entscheidungen mit allen möglichen Normen um, z.B. wenn sie von Rechtsnormen abweichen, wenn sie für sich selbst oder für Abhängige psychologisch riskante/gefährdende/beeinträchtigende Regelungen treffen wollen?
- für das professionelle Handeln in der Mediation: Verstöße gegen Regeln/Normen der Kommunikation in der Mediation, Verstöße gegen Vereinbarungen (jemand bringt keine Unterlagen mit; jemand sichert das Einhalten von Vereinbarungen zu, hält sich aber nicht daran) usw.
Gesichtspunkte für das Einbringen von Normen in den Prozess könnten sein:
- zwingendes Recht; aber was ist das z.B. beim Kindeswohl?
- wenn Sicherheit/Schutz geschaffen werden muss
- bei Gewalt, Eskalation
- wenn Voraussetzungen für die Mediation geklärt oder geregelt werden müssen, z.B. auch unter Bezug auf den Mediationsvertrag
Wir haben überlegt, was wir als Mediatoren beachten müssen und welche Empfehlungen wir haben.
Wichtigster Punkt war wohl, sich selbst über das Risiko bewußt zu sein, das mit dem Einbringen von Normen in den Mediationsprozeß verbunden ist und sich klar darüber zu sein / zu werden, was das evtl. mit uns selbst zu tun hat (ð sich selbst kontrollieren, sich selbst über eigene Anteile /Motive bewußt sein, Supervision, Selbsterfahrung)
Zweiter Punkt war: ÉZweifel säenú (an der vorgesehenen Entscheidung der Medianten), z.B. durch:
- mehr Optionen eröffnen
- Éschrägeú Optionen durchspielen
- Zukunftsvisionen entwickeln
- Experten heranziehen
- ÉSplittingú: einerseits ú andererseits: Abwägen von Vor- und Nachteilen
- ÉWenn Sie das so regeln, könnten Sie auf folgendes Problem zusteuernÚú
Zum Schluss und in Endzeitstimmung (die Zeit war abgelaufen) haben wir noch ganz weit in die Zukunft geblickt und wilde und durchaus widersprüchliche
VISIONEN F€R DIE MEDIATION
entwickelt:
- Mediation soll nicht zu einem neuen Dogma werden!
- Wir sollen Positionen beziehen!
- Wir sollten überall BERATUNGSHÚUSER und eine HOTLINE einrichten, damit Anfragen und Beratungsangebote regional koordiniert werden können!
- Mediation wird eines Tages überflüssig, weil jeder sein eigener Mediator ist!
- Mediation soll als beherrschendes Verfahren etabliert werden!
Protokoll: Reiner Bastine
Workshop 5:
Meine Kinder ú deine Kinder ú unser Problem?
Themenpatin Ingrid Pfeiffer
institut@mediation-stuttgart.org
Ausgehend von eigenen Erfahrungen und einem praktischen Fallbeispiel der Themenpatin wurden verschiedene €berlegungen und mögliche Vorgehensweisen der Mediation bei Problemen in Patchworkfamilien in einer kleinen, relativ konstanten Gruppe ausgetauscht, besprochen und diskutiert.
Erfahrungen
Jede Patchworkfamilie hat einen ziemlich komplexen Alltag zu
bewältigen.
Dabei kann dem Fühlen und Empfinden jedes einzelnen Familienmitglieds nur wenig
Aufmerksamkeit gewidmet werden. Jedes Familienmitglied fühlt sich daher mehr
oder weniger unverstanden und allein gelassen.
Wenn ÉPatchwork-Elternú Hilfe suchen oder gezielt zur Mediation kommen, empfinden sie in der Regel ziemlich viel ÉDruckú. Der Anlass für die Suche nach Unterstützung ist nur die Spitze eines oder mehrerer ÉEisbergeú.
Nach Einschätzung der Gruppe wird der/die Mediator/in im Zusammenhang mit neu zusammengesetzten Familien mit Problemen und Fragen unterschiedlicher Art konfrontiert. Dabei geht es darum, die verhandelbaren Themen zu erkennen und Anregungen dafür zu geben, wie mit anderen Problembereichen umgegangen werden könnte. Dies erscheint uns nur möglich, wenn der/die Mediator/in über ein gewisses Fachwissen über die Besonderheiten dieser Familienform (siehe nachfolgende Thesen) verfügt und dieses Wissen in geeigneter Form auch in den Mediationsprozess mit einbringt.
Thesen
1. Der eigentliche Wunsch der Kinder wäre, dass Éihreú Familie wieder zusammenkommt. Deshalb ist jede neu zusammengesetzte Familie für sie keine freiwillige Lebensgemeinschaft.
2. Jedes Kind versucht, seinen leiblichen Eltern - insbesondere auch dem nicht anwesenden gegenüber - loyal zu sein und zu bleiben. Der getrennt lebende Elternteil (außerhalb) spielt daher eine wichtige Rolle. Das Kind wünscht sich, dass die neue Familie auch diesen Elternteil akzeptiert und es akzeptiert, wie dieser lebt.
3. Jedes Mitglied der neu zusammengesetzten Familie muss erst Éseinen Platzú in diesem System finden. Es entstehen Rivalitäten zwischen leiblichen Eltern und Stiefeltern. Zu den normalen Geschwisterrivalitäten kommen neue Konkurrenz- und Machtkämpfe.
4. Fragen der Außendarstellung sind ein wichtiges Thema für jede neu zusammengesetzte Familie.
5. Konflikte entzünden sich meist an alltäglichen Dingen ú Spitze des Eisbergs.
Mediation mit ÉPatchworkfamilienú
Die Beteiligten empfinden meist ein Édiffuses Wirrwar von
Problemenú.
Der/die Mediator/in muss sich relativ viel Zeit dafür nehmen, die Situation und
die Gefühlslage jedes Mitglieds der neu zusammengesetzten Familie genau zu
verstehen. Diese Verstehensarbeit muss zunächst mit dem Paar alleine, ggf.
unter indirekter Einbeziehung aller sonst noch betroffenen Personen erfolgen.
Bei Fragen, die die Kinder selbst betreffen, werden diese dann auch direkt
(altersgemäß) mit einbezogen.
Wie in anderen Familienmediationen auch, trägt das Verstehen der Mediatorin/ des Mediators zum besseren eigenen Verstehen bei und kann auch ein erster Schritt zum besseren gegenseitigen Verständnis der Familienmitglieder sein.
Für die Verbesserung des Zusammenlebens in neu
zusammengesetzten Familien ist vor allem mehr Klarheit hilfreich ú besonders den Kindern gegenüber.
Es geht z.B. darum, folgende Themen zu bearbeiten:
- Wer hat welche Rolle?
- Wer hat wem was zu sagen? (Wer erzieht wie?)
- Was ist möglich? ú Was ist nicht (mehr) möglich?
- Was braucht jedes Familienmitglied? ú Wie kann diesen Bedürfnissen am besten entsprochen werden? (gegenseitiges Geben und Nehmen etc.)
- Wie kann das Zusammenleben organisiert werden?
- Wie können neue Familientraditionen entstehen und alte weiterleben?
- Wie können neue Beziehungen (mit Rücksicht auf die Éaltenú) entstehen?
Die Gruppe war der Ansicht, dass bei der Arbeit mit Patchworkfamilien zusätzlich beraterische oder familientherapeutische Sitzungen zur Bearbeitung anderer Problembereiche sinnvoll sein können. Diese Frage wurde aber nicht mehr vertieft.
Workshop 6:
Kreativitätstechniken in allen Phasen der Mediation
Themenpate Stefan Kessen
Einige der über den Tag hinweg gesammelten Erkenntnisperlen:
ß Mit Kreativitätstechniken sollen Denkblockaden und gewohnte Denkmuster überwunden werden. Es ist dagegen nicht die Aufgabe von Kreativitätstechniken, eine Bewertung oder Auswahl von Lösungsoptionen vorzunehmen.
ß
Nicht nur in der Phase der kreativen Ideensuche, sondern in allen
Phasen der Mediation ist der Einsatz kreativer Techniken möglich und sinnvoll,
um
- die Beteiligten zu einem Perspektivenwechsel anzuregen, damit diese selbst
eine neue Sicht auf ihre Situation erhalten oder einnehmen können,
- die Beteiligten in einer eigenverantwortlichen Reflexion ihres Tuns zu
unterstützen,
- den Beteiligten adäquate Zugänge zu ihren Ressourcen, Themen, Interessen und
Bedürfnissen zu ermöglichen,
- Annahmen- und Wahrnehmungsbarrieren zu überwinden,
- um neue Räume zu eröffnen, die durch konventionelle Fragen möglicherweise
nicht zu erreichen sind,
- um zu neuen Lösungsoptionen vorzudringen,
- ...
ß Der Einsatz von Kreativitätstechniken kann auch die Mediatoren darin unterstützen, dass sie selbst den Rahmen nicht durch ihre eigenen Wahrnehmungen und Annahmen und entsprechende Fragen zu eng stecken.
ß Da es auch in der ersten Phase der Mediation bereits um zentrale Interessen und Bedürfnisse bei den Beteiligten geht (nur liegen diese eher auf der verfahrensmäßigen und weniger auf der inhaltlichen Ebene), können Kreativitätstechniken helfen, diese sichtbar werden zu lassen.
ß Kreativitätstechniken unterstützen ein ressourcenorientiertes Arbeiten: für unterschiedliche Menschen sind unterschiedliche Zugänge zum Denken, Streiten, Diskutieren und Lösen hilfreich (Beispiele, Bilder, Metaphern, ...)
ß
Beim Einsatz von Kreativitätstechniken ist folgendes zu beachten:
- die jeweiligen Techniken müssen zu den Konfliktbeteiligten passen (und sie
nicht z.B. überfordern),
- die jeweiligen Techniken müssen indes auch zur Mediatorin / zum Mediator
passen (sie/er muss hinter der Technik stehen und gut mit ihr umgehen können),
- eine Kreativitätstechnik erfordert eine möglichst konkrete Fragestellung als
Ausgangspunkt,
- und die / der Mediator/in sollte möglichst vorher überlegt haben, wie sie /
er mit der möglichen Fülle an Ideen dann weiter umgeht,
- die Auswahl einer bestimmten Kreativitätstechnik hängt auch entscheidend von
der konkreten Fragestellung ab,
- ...
ß
Ansätze zur €berwindung der Bedenkenburg (viele Teilnehmer/innen
haben geäußert, dass sie sich scheuen würden, in einer konfliktreichen
Situation Kreativitätstechniken anzuwenden, die spielerische oder zumindest für
die Beteiligten ungewohnte Elemente beinhalten):
- begründen, warum eine spezielle Kreativitätstechnik verwendet wird, und dabei
direkt an den Interessen und Bedürfnissen der Beteiligten andocken;
erfahrungsgemäß sind viele Konfliktbeteiligte bereit, auch ungewöhnliche Wege
zu beschreiten, wenn sie das Gefühl haben, nicht mit ihnen völlig fremden Experimenten
überfallen zu werden, sondern wenn sich die Vorgehensweise nachvollziehbar aus
ihren Interessen und Bedürfnissen ableiten lässt;
- dabei auf Metasprache verzichten (die Begriffe Kreativität und Technik sind
eher abschreckend und für den Zweck oftmals kontraproduktiv: ÉNun seien Sie mal
kreativ...ú ;-) )
Beispiele für Kreativitätstechniken:
(jeweils in den unterschiedlichen Phasen der Mediation unter jeweils anderen Fragestellungen einzusetzen)
ß Bilder verwenden (z.B. Postkarten, Zeitungsausschnitte, Fotos, Blick aus dem Fenster)
ß Metaphern suchen und verwenden
ß Symbole verwenden (z.B. Stoppzeichen)
ß Leere Stühle und Stuhlwechsel (Perspektivenwechsel)
ß Rätsel und kleine Denksportaufgaben aufgeben (Bsp. 9-Punkte/4 Striche-Problem: So gelangen die Beteiligten oftmals selbst zu der Erkenntnis, dass sie bei ihrem Konflikt auch über den vielleicht zu eng gesehenen Rahmen hinaus denken können)
ß Schriftliche Form des Brainstormings, z. B. Methode 6-3-5: 6 Personen schreiben 5 Minuten lang je 3 Lösungsideen auf ein Blatt, das bei jede/m Teilnehmer/in in 6 mal 3 Kästchen eingeteilt ist. Nach 5 Minuten reichen sie das Blatt an den Nachbarn zur Linken (Rechten) weiter. Jede/r erhält nun ein Blatt auf dem bereits 3 Ideen notiert sind und schreibt wieder in 5 Minuten drei neue hinzu, wobei sie / er sich von den bereits notierten inspirieren lassen kann. Wenn alle Blätter einmal herumgegangen sind, stehen auf den Blättern insgesamt 108 Ideen.
ß Kartenabfrage: Die Beteiligten formulieren unabhängig voneinander Ideen auf Pinnwandkarten
ß Konfrontations- / Umkehrmethode: Genau nach dem Gegenteil fragen, was eigentlich gesucht ist
ß Wertschätzende Erkundung: Nach Positivem und vorhandenen Ressourcen suchen
ß ...
Literatur:
Kessen, Stefan / Troja, Markus (2002): Die Phasen und Schritte der Mediation als Kommunikationsprozess. In: Haft, Fritjof / Schlieffen, Katharina v. (Hrsg.): Handbuch Mediation. München, 393-420, insb. 411-414.
Sellnow, Reinhard (2000): Kreative Lösungssuche in der Mediation. In: ZKM 2000, 100-105.
Sellnow, Reinhard (1997): Die mit den Problemen spielen... Ratgeber zur kreativen Problemlösung. Bonn (zu beziehen über die Stiftung Mitarbeit in Bonn).
Workshop 7:
Gleichheit für alle?
Themenpatin Sabine Zurmühl
I. Fragen
Gleichheiten: männlich - weiblich
arm - reich
gebildet - ungebildet
Gleichheit für alle ?
Gleichheit als zutiefst demokratischer Wert, als Gleichheit in der Chance, in der Potentialität zur Entfaltung, ist ganz eng mit der Mediation verbunden.
Die ÉDeclaration of Independenceú, die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von 1776, zählt das ÉRecht auf Suche nach Glückseligkeitú zu den Menschenrechten. Die Gleichheit sollte liegen
in der Chance zur Suche.
In diesem Verständnis von ÉGleichheitú steht jedes Mediatorenteam ebenfalls auf dem Prüfstand.
Bereiche, in denen die Gleichheit angeschaut, geprüft werden könnte:
1. Geschlechterrollen
ö eigene Bilder/ Haltungen zu Väterlichkeit/ Mütterlichkeit/Geschwisterlichkeit
ö zu Strafen und Gewähren
ö zu Lachen und Strenge
ö zu Ergebnis und Prozeß
ö ÉStärkeú und ÉSchwächeú
2. Soziale Unterschiede im Team
ö Bildungshintergrund
ö Religiöser Hintergrund
ö Vorstellung familiärer Ordnungen
Wie können wir die Gleichheit leben in der Differenz, fruchtbar machen für die Mediation ?
Sabine Zurmühl
ö Eine kleine Umfrage bei weiblichen Kongressteilnehmern ergab: Keine der Befragten konnte sich vorstellen, als Mediantin in einer Mediation drei Männern gegenüber zu sitzen (Ehemann, Mediator, Co-Mediator)
ö Es wird befürchtet, dass sich die Männer solidarisieren könnten
ö Gegenthese: Es kommt bei einer Co-Mediation nicht darauf an, dass die Mediatoren männlich/weiblich sind, sondern es kommt darauf an, dass die Mediatoren Éanimaú (z.B. dialektisches Prinzip) und Éanimusú (z.B. Zielstrebigkeit) in ihrer Person integriert haben und dadurch beides in der Mediationssitzung ausreichend repräsentiert ist
ö These: Der eher Ésachlich orientierteú Mann sucht einen Rechtsanwalt/-anwältin als Mediator/Mediatorin aus; der eher Égefühlsbetonteú Mann sucht die Mediation in einer Beratungsstelle
ö Wenn ein Mann seine Frau zurückgewinnen will oder eine einvernehmliche Trennung anstrebt geht er zu einer Anwältin, will er sein Recht nach dem kontradiktorischen Prinzip durchsetzen geht er zu einem Mann
ö Die Geschlechterrollen sind so im Wandel begriffen, dass die Medianten in ihrem Rollenverständnis als Mann und als Frau abhängig von Alter, sozialem Status, Bildungsnähe etc. sehr verschieden sind ú in ihrer Verschiedenheit wecken sie auch in uns unterschiedlichste Emotionen, je nachdem ob uns das Rollenverständnis entspricht oder ob wir es ablehnen. Wir können in bestimmten Konstellationen in der Mediation/Co-Mediation in alte überwunden geglaubte Verhaltensmuster rutschen
Gleichheit/Differenzen
ö Ungleichheiten in der Mediation (z.B. sozialer Status) zwischen den Mediatoren und zwischen den Mediatoren und den Medianten sollten benannt werden
ö Wenn sich in einer Co-Mediation einer der Mediatoren emotional in einer Ausnahmesituation befindet, hat er dies seinem Co-Mediator mitzuteilen
ö Biologische Vaterschaft/ Soziale Vaterschaft ist für viele Männer unterschiedlich viel wert ú biblisches Beispiel: Josef war Énurú der soziale Vater Jesu.
Michael Drescher
Workshop 8:
Vision über die Zusammenarbeit von Mediatoren unterschiedlicher Berufsfelder
Themenpaten Hansjörg Schwartz und Christoph Paul
Nach einer Vorstellungsrunde formulierten die Teilnehmer des Workshops (vertreten waren Juristen, Sozialpädagogen, Therapeuten und Studenten) 4 Themenbereiche, die für sie von besonderem Interesse waren und die als Zielorientierung der Arbeitsgruppe verstanden wurden:
Im Laufe des Vor- und Nachmittags konnten im Austausch von Erfahrungen und Épersönlicherú Visionen konstruktive Anregungen für die eigenen Arbeit gegeben werden. Am Ende formulierte jeder Teilnehmer eine Botschaft, die ihm im Verlauf der gemeinsamen Arbeit als besonders wichtig erschien.
Wo qualitativ wertvolle Mediationsarbeit geleistet wird, muss dies für andere Kollegen oder potentielle Mitstreiter erkennbar und klar werden. Das Potential und die Möglichkeiten der Mediation kann Skeptikern nur dann deutlich werden, wenn sie darauf vertrauen können, dass es sich um eine unterstützenswerte, zukunftsrelevante Tätigkeit handelt. Dem Ziel, Barrieren zwischen juristischen und psycho-sozialen Berufsgruppen abzubauen und eigene Wirkungsmöglichkeiten zu vergrößern, muss demzufolge ein wichtiger Schritt vorausgehen: Die Qualität der eigenen Arbeit muss transparent gemacht werden. Was für den einzelnen Mediator gilt, der sich etablieren möchte, gilt auch für die Mediation im ganzen: Je besser es gelingen wird, den Wert der Mediation nach außen darzustellen, um so mehr wird sie ihr Profil stärken und sich verbreiten können. Dabei spielt der sorgfältige Umgang mit Sprache (Mediatoren bereits vertraut!) in persönlichen Gesprächen und Werbebotschaften eine wichtige Rolle: Wirkungen der eigenen Arbeit sollten präzise definiert und verständlich/ anregend beschrieben werden, damit sie von außen nachvollzogen werden können. Viele Wege sind wünschenswert und möglich, um Qualität nach außen zu transportieren: z.B. das Gespräch eines privat etablierten Familien-Mediators mit Vertretern des Jugendamtes, Gerichtes, sozialen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, Universität, Volkshochschule, Arztpraxen o.a. seiner Stadt/ Region. Er kann versuchen, (zunächst kostenlose) Vorträge anzubieten, Broschüren, Faltblätter über seine Arbeit zu hinterlassen, kleine Artikel in Regionalzeitungen zu veröffentlichen. Auch hier gilt die Regel: Nur qualitativ hochwertige Produkte zeugen von Qualität der eigenen Arbeit. Ein Netzwerk wird sich bilden lassen, nachdem in vielen kleinen Schritten die eigene Tätigkeit eine Präsenz bei Kollegen in Stadt/ Region erreicht hat.
Im Sinn von Punkt 4 ist die Co-Mediation eine Anwendung einer konstruktiven Auffassung von Differenz. Hier eröffnen sich bei der Zusammenarbeit in einer Mediation vielfältige Lernchancen: Ob ein Mediatorenteam aus Mann und Frau, Angehörigen 2er verschiedener Berufsgruppen oder Professionellen unterschiedlicher kultureller Herkunft besteht (bzw. alle 3 Varianten zugleich) ú eine Divergenz durch Differenz kann die Qualität der Arbeit fördern! Im gemeinsamen feed-back, mittels Selbst-Evaluation und Supervision kann eine Co-Mediation zu einem vertiefenden Problemverständnis beitragen. Die Co-Mediation kann als Exempel im kleinen verstanden werden, was die Kooperation verschiedener Professionen (Stichwort Interdisziplinarität) im übergreifenden Rahmen darstellt.
Nicht Konkurrenz, sondern Ressource: Sobald in einer Mediation z.B. über die Probleme des Umgangs- und Sorgerechts im Scheidungsfall hinaus gearbeitet werden muss, ist die Grenze für den Mediator mit Épsychosozialerú Herkunft oft erreicht. Die Zusammenarbeit mit Anwälten (Ressource Anwalt) ist angesagt. Anwälte ihrerseits werden ihrem Auftrag, Konflikte zu lösen und friedensstiftende Wirkung zu haben, in Scheidungsfällen nur dann gerecht, wenn sie Eltern zu selbsterarbeiteten, einvernehmlichen und dauerhaften Lösungen verhelfen (Ressource Mediator). Das dürfte von mediatorischer Seite sichtbar zu machen sein. Mediatoren können auch als Ressourcen für andere Professionen erscheinen. Nicht jeder Fall taugt zur Mediation, so wenig wie jedes Problem für eine Beratung- oder Therapie in Frage kommt.
Die große Menge innerfamilialer Probleme (besonders im Fall der Scheidung) verlangt die verschiedensten Hilfeformen. Die verschiedenen Dienstleistungen der Professionen, die mit Familie befasst sind, sind von äußerster Wichtigkeit. Ob Beratung, Therapie, Klage oder Mediation der richtige Weg für die Betroffenen ist, kann von ihnen schwer allein erkannt werden. Nur an Clearing-Stellen mit einem hohen Grad von interdisziplinärer Professionalität kann diese Entscheidung ge-úklärtú werden. Es ist Kooperation von Menschen verschiedener Professionen anzustreben, bei der es um den Aufbau und die Gestaltung von sogenannten Clearing-Stellen für Scheidungsfamilien geht.
Eine gute Zusammenarbeit kann eine gute Qualität der mediativen Arbeit sichern. Durchweg zufriedenstellende Ergebnisse sind aber notwendig, wo an eine verpflichtende Mediation (Pflicht zur Aufnahme bzw. Pflicht zum Beratungsgespräch) für Scheidungseltern mit minderjährigen Kindern gedacht wird. Mediationspflicht verringert, wie Studien aus Ländern mit mandatorischer Mediation zeigen, in einem enormen Ausmaß strittige Scheidungen ú und damit die Belastungen von Kindern aus Scheidungsfamilien (die in aller Regel für diese in Bindungsstörungen über ihre gesamte Lebensspanne münden). Die Workshop-Teilnehmer halten aus diesem Grund eine verantwortungsbewusste Diskussion um die Möglichkeiten und Vorteile einer Verpflichtung zur Mediation (vor allem in Bezug auf das Kindeswohl) für äußerst angebracht. Dabei ist die vereinte Kraft aller Berufsgruppen gefragt, um die Scheidungslasten für Kinder erträglicher zu gestalten.
Im Laufe des Workshops wurden Ziele festgehalten, die in einzelnen Schritten umsetzbar sind. Der Bekanntheitsgrad von Mediation soll mit diesen Schritten erhöht, ihre Möglichkeiten erkannt, Skepsis abgebaut und ihre Etablierung gefördert werden. Netzwerke sollen entstehen und der Weg zur interdisziplinären Zusammenarbeit gebahnt werden.
Æ Kontakt zu aufgeschlossenen Richtern suchen
Æ Auf Gerichtstagen die Mediation präsentieren
Æ In Anwaltschaft für Ideen Éwerbenú
Æ Bei Einführung mandatorischer Mediation analog zu Prozesskostenhilfe für Mediationskostenhilfe plädieren
Æ Perspektiven eröffnen: z.B. der Beratungsanwalt als neues Betätigungsfeld
Æ €berzeugungsarbeit im unmittelbaren Umfeld leisten ú immer mit Argument: pro Mandant
Æ Bonus für Anwälte einführen, die an Mediation abgeben
Æ den Steuerberater als Ressource nutzen, um an Mediationsfälle zu gelangen (Kunden trotz eines Familienkonfliktes/ Scheidung zu behalten liegt in seinem ureigenen Interesse. Wie Erfahrung zeigt, verweisen Steuerberater ihre Klienten im Konfliktfall an Mediatoren)
Æ das Medium Internet nutzen: Foren gründen bzw. auf bereits existierenden Plattformen kleinere Beiträge schreiben
Workshop 9:
Einfluss unterschiedlicher therapeutischer Schulen auf Mediationstechniken
Themenpate Heiner Krabbe
mail@mediationswerkstatt-muenster.de
Im Workshop wurde ein Modell zur Psychodynamik von Konfliktparteien am Beispiel eines Ehepaares vorgestellt und demonstriert, wie der beraterisch-therapeutische Ansatz und der mediative Ansatz in diesem Konflikt aussehen.
Das Modell beschreibt, wie die jeweiligen Konfliktparteien auf den Partner projizieren und sie dadurch in ständigen Wiederholungen festsitzen.
Der beraterisch-therapeutische Ansatz bemüht sich um eine Verlagerung der Aufmerksamkeit auf den eigenen Anteil, um dadurch Veränderungsmöglichkeiten auf jeder Seite erreichen zu können.
Der mediative Ansatz bemüht sich um eine Etablierung der Selbstbehauptung jeder Partei, um sie dadurch in die Lage zu versetzen, mit der jeweils anderen Seite verhandeln zu können.
Beispielhaft für die Förderung der Selbstbehauptung wurden die Visualisierung, die Sitzordnung sowie Techniken (z.B. Zusammenfassen, Focussieren) erörtert und demonstriert.
Workshop 10:
Haltung des Mediators im Quellenberuf
Themenpaten Dagmar Lägler und Gertrud Platt-Rossbach
Ausgangspunkt für diesen Workshop für mich als Mediatorin mit juristischem Grundberuf war die Beobachtung, dass es Anwaltskollegen gut gelingt, zwischen der Rolle als Rechtsanwalt und als Mediator zu wechseln.
Der Bundesverband Mediation hat dieses Thema ebenfalls als Schwerpunktthema für die nächste Ausgabe des SPEKTRUMS gewählt; das Interesse an diesem Thema war beim Heidelberger Kongress eher mäßig. Wir haben zu fünft hierüber diskutiert; es waren in diesem kleinen Zirkel die klassischen Gruppen vertreten.
Zurück zum Anliegen: Gelingt der Wechsel zwischen Quellenberuf und MediatorIn gleich einem Schalter, den man umlegt? Im Ausschreibungsthema habe ich das Bild des Chamäleons verwendet.
Nach dem Verschmelzen mit Workshop 28 úDie reine Lehreú haben wir die Unterschiede unserer Arbeitsweise im Quellenberuf im Bezug
herausgearbeitet und diese unserer Vorgehensweise als MediatorInnen gegenübergestellt.
Ein ERGEBNIS war, dass wir je nach Quellenberuf verschiedenen Auftraggebern gegenüber verantwortlich sind: das Jugendamt ú dem Kind
der Sozialarbeiter ú dem Klienten
der Psychologe ú dem Klienten
der Anwalt ú dem Mandanten
und wir a l l e hierdurch ú und das ist die Realität ú unsere finanzielle Basis sichern.
KONSENS: Für alle war die Mediation Z u b r o t zum Quellenberuf.
Ein weiteres ERGEBNIS war, dass Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Psychologen mediative Techniken problemlos in ihren Arbeitsalltag integrieren, den Schalter leicht umlegen können. Der Mediator mit juristischem Quellenberuf befindet sich in einem weit grösseren Spannungsverhältnis: er hat das Recht als einzigen Bezugspunkt seines Handelns; die Maxime juristischen Handelns ist weniger die gute Lösung als der Sieg über den anderen ú bestenfalls vor Gericht.
Das Umdenken im Lernprozess und später in der Praxis stellt eine weit grössere Herausforderung für den Juristen dar. Der Wechsel zwischen beiden Tätigkeitsbereichen ist nicht fließend, sondern trennscharf. Je nach Naturell ú oder nach Haltung - muss zwischen beiden Tätigkeitsbereichen sauber getrennt ú der Schalter umgelegt ú werden. Wird die Arbeitsweise von mediativen Denken und Handeln bestimmt, werden Bezugspunkt und Ziel in den Hintergrund gedrängt.
Um dem Anliegen der Verschmelzungsgruppe gerecht zu werden, haben wir uns mit der úReinen Lehreú auseinandergesetzt und diese der REALITÚT gegenüber-gestellt.
Nach zwei Stunden konnten wir auch ein humorvolles FAZIT ziehen und damit auch den Bogen zum KONGRESSTHEMA schlagen:
Es ist VISION nach der reinen Lehre zu arbeiten. In der REALITÚT bestimmt der Quellenberuf die Arbeitsweise als MediatorIn.
Zwei Bilder sind in unseren Köpfen entstanden: das ROTE SOFA für die Vision und die BESENKAMMER für die Realität.
Das rote Sofa mit den Urgesteinen zum Kongressauftakt blieb für uns Vision, nämlich die wunderbare Vorstellung von der REINEN LEHRE.
Die Besenkammer (warum kommt allen nur Boris Becker in den Sinn?) ist unser Arbeitsfeld, unsere Realität, in der wir authentisch, manchmal auch direktiv arbeiten und den Rahmen vorgeben
Workshop 11:
Spielend lernen
Themenpatin Annette Löning
Für die Mediation bildet die strukturierte Ausbildung das solide Fundament für die Arbeit mit Menschen. Gleichzeitig ist das Leben nicht berechenbar und führt immer wieder in Situationen, in denen spontanes, nicht geplantes Handeln zum gewünschten Ziel führt und in der die erlernte Technik überschritten werden kann. Dies zu trainieren ist genauso unmöglich wie notwendig. In dieser paradoxen Situation sehen wir die Möglichkeit, sich mit Elementen der kreativen Künste auseinander zu setzen und in die Mediationsausbildung mit einzubeziehen.
Freilich geht es hier nicht um die Entwicklung ästhetischer oder theatraler Fähigkeiten, sondern um das Wiederentdecken dahinter liegender Eigenschaften, die verschiedensten Künstlern zu eigen sind, wie Spontaneität, Intuition, Einfühlungsvermögen, Sensibilität etc.
Unser Ziel ist es, mit ausgewählten Spielen aus dem Improvisationstheater in einem sicheren Setting sich diesen Haltungen nähern zu können und sie so in gewisser Weise doch einüben zu können. Dies Spiele sind als Metaphern zu verstehen, die für die Mediationssituationen umgedeutet werden können.
Der zweite Bereich der Spiele ist für die Ausbildung oder für andere Gruppensituationen gedacht, die jeweils situativ als didaktisches Mittel zur Verbesserung des Lernklimas eingesetzt werden können.
Die Betonung der Körperarbeit bzw. der spielerische Umgang mit Emotionen ist gedacht als eine Balance zur vorwiegend kognitiven Arbeit in der Ausbildung
Ziele:
- Qualitäten (wieder) zu entdecken
- Spiele kennen lernen
- Rechte Gehirnhälfte aktivieren
Spielegruppen:
1. - Aufwärm-/Aufweckspiele
3. - Haltungsspiele
4. - Sprachspiele
Zu 1.
Klatschkreis, Ab durch die Mitte, Sitzfußball, 7 Bälle, Kissenwerfen, Sträflingslauf
(Gruppenprozess)
Zu 2.
Ursprungsberuf, Konfliktskulpturen, ÉVerrückteú Mediation
(Inhalte)
Zu 3.
Einwortgeschichte, Spiegeln, Geschenke (Kooperation)
Die Kiste, Enter!, Stofftier/Jacke (Spontaneität)
Zählen, Der Wald (Intuition) = (Metaphern)
Zu 4.
ÉWer hat den Käse zum Bahnhof gerollt...?ú, Begeistern/Warnen, Statusspiele (Fähigkeiten)
Was braucht Ihr?
Was wünscht Ihr Euch?
Workshop 12:
Körperwahrnehmung als kreatives Potenzial in Konfliktarbeit und Mediation
Themenpate Karl-Heinz Schubert
Für den Workshop meldeten sich 25 TeilnehmerInnen (TN). Wir begannen um 10.30 Uhr und schlossen gemeinsam nach ca. 2 Stunden ab. Die Gruppe blieb während dieser Zeit überwiegend zusammen, es gab kaum Fluktuationen.
Durch körperliche €bungs-Sequenzen - teils einzeln, teils in Paaren, teils in Kleingruppen - erprobten die TN körperlich-energetisches Ankommen und Dasein, Bodenkontakt und Erdung, körperlichen Ausdruck, Aufrichtung und Aufrichtigkeit, Bedeutung von Atmung/Stimme/Gestik/Mimik, Nähe und Distanz, Panzerung und Úffnung, die konstruktive Kraft von Aggression, Grenzsetzung im Kontakt, Selbst- und Fremdwahrnehmung.
In 4 Kleingruppen hatten die TN am Beginn folgende Fragen bzw. Aspekte auf FlipCharts zusammengetragen:
*Wie übertragen sich Anspannungen und Entspannung?
*Einfluss bestimmter körperlicher Manifestationen bei den Mediatoren auf die Medianten?
*Wie gehe ich mit Anspannungen infolge eigener Selbstdarstellungswünsche um?
*Die ÉBühnenpräsenzú des Mediators und deren körperliche Implikationen/Auswirkungen.
*Wie kann der Mediator bei Druck in der Mediation für sich Raum schaffen?
*Erlernen von ÉKörpereinsatzú.
*Selbstwahrnehmung als Basis für Fremdwahrnehmung.
*Körperlich erlebte und ausgedrückte ÉEchtheitú.
*€ber den Körper vermittelte unbewusste Mitteilungen erkennen.
*Reduktion von ÉKopfzentrierungú. Agieren aus der ÉMitteú.
*Energie/Spannung aufnehmen und fließen lassen.
*Körperwahrnehmung in der Mediation nutzen lernen.
*Selbstbezogen in der Beziehung zu Medianten auch mit dem Körper Mediation machen.
*Nonverbal führen.
*Selbstwahrnehmung für ÉKonflikt-Körperú verbessern.
Die TN machten aus ihrem eigenen Körpererleben heraus Vorschläge zur Behandlung obiger Aspekte, sodass wir immer wieder gemeinsam diese Impulse aufgreifen konnten.
Es herrschte eine neugierige und konzentrierte Stimmung von körperlichem Experimentieren entlang von Selbstwahrnehmung und Selbstausdruck, Fremdwahrnehmung in Akzeptanz und Respekt, Erarbeitung von Lösungen.
Ich selbst fühlte mich zunehmend weniger als Leiter, sondern als teilnehmender Anreger und strukturgebender bzw. antwortender Experte.
Wir konnten die von mir zu Anfang des Workshops skizzierten thematischen Felder ú
natürlich nur kurz ú beackern, nämlich:
*Kennenlernen typischer körperlich-energetischer Reaktionsmuster in Konflikten.
*Erfahren des eigenenKörpers als differenziertesInstrument der Selbst-u. Fremdwahrnehmung
*Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten in Konflikten.
*Verbesserung der persönlichen und professionellen Haltung durch geerdete Präsenz.
Viele sahen es als Einstieg in ein bisher in der Mediation/ Konfliktarbeit unterbelichtetes Gebiet, auch als Anregung, sich hier weitere Erfahrungen und Kompetenzen anzueignen.
Workshop 13:
Einführung der Mediation im Sozialamt
Themenpate Thomas Rust
Einführung der Mediation im Sozialamt
Themenpate Thomas Rust
Fünf Gründe für die Einführung der Mediation in einer Sozialverwaltung
Die Mediation erweist sich immer häufiger als geeignetes Instrument im Rahmen einer Konfliktbegleitung und alternativen Streitbeilegung. Es ist wünschenswert, dass sich die Verwaltungen dieser Entwicklung aufgeschlossen zeigen.
1. Gibt es im Verwaltungshandeln außergerichtliche Streitbeilegungsformen ?
Die Verwaltung kann bei der Betrachtung alternativer Streitbeilegungsformen auf Erfahrungen mit einem bewährten Instrument der Streitbeilegung ú dem Widerspruchsverfahren ú aufbauen. Dieses Verfahren steht ú trotz des Glaubens vieler Widerspruchsausschussvorsitzender, ‘mediativà tätig zu sein ú dem Bestreben, alternative Streitbeilegungsformen innerhalb der Verwaltung einzuführen, nicht entgegen. Ein wesentliches Argument zugunsten der Mediation kann aus der Rolle des Vorsitzenden eines Widerspruchsausschusses im Gegensatz zur Rolle des Mediators / der Mediatorin hergeleitet werden. Der Vorsitzende eines Widerspruchsausschusses kann weder neutral noch allparteilich sein, weil er als Mitarbeitender der Verwaltung in die Rolle eines Weisungsgebundenen innerhalb der Verwaltungshierarchie geraten kann. Demzufolge kann er die Verantwortlichkeit für den Inhalt des Konflikts nicht den Konfliktbeteiligten überlassen, sondern wird in ‘brisantenà Fällen möglicherweise zugunsten der Behörde den Verlauf der Verhandlung gestalten. Wirklich neutral und allen Parteien gleichermaßen ‘gutà gesonnen sein kann in einem Konflikt mit Beteiligung einer Verwaltung nur ein externer Mediator / eine externe Mediatorin. Die Verantwortlichkeit beschränkt sich in diesem Kontext in erster Linie auf die Einhaltung der zu Beginn vereinbarten ‘SpielregelnÃ, während die Eigenverantwortlichkeit für den Inhalt der am Konflikt beteiligten Medianden (Bürger / Vertreter der Verwaltung / Beteiligte Dritte) erhalten bleibt.
2. Eignen sich die Konflikte im Rahmen des Verwaltungshandelns einer Sozialverwaltung für eine Mediation ?
Konflikte im Rahmen der Tätigkeit einer Sozialverwaltung eignen sich gut für eine alternative Konfliktbegleitung. Eine Mediatorin / ein Mediator kann den am Konflikt Beteiligten helfen, Positionskämpfe zu überwinden mit dem Ziel, ihre wirklichen Interessen zu erforschen. Die Ausrichtung des Blickes an den möglicherweise zu Beginn der Mediation im Verborgenen liegenden Interessen ermöglicht es, den Weg zur Wiederherstellung persönlicher ú einschließlich möglicher ‘geschäftlicherà ú Interessen im Verhältnis zwischen der / dem Sachbearbeitenden und dem Bürger zu finden.
Der Kreis der Beteiligten in einer Mediation ist hier offen für diejenigen, die von der Entscheidung einer Behörde nicht unmittelbar betroffen sein müssen, die jedoch im Kontext der €berwindung eines Konflikts eine nicht unerhebliche Rolle einnehmen können. Dies gilt beispielsweise für Familienangehörige bei der €bernahme von familiärer ‘EigenúVerantwortungà bei der Finanzierung eines Heimpflegeplatzes des notleidend gewordenen Elternteils oder für die Einbeziehung eines früheren Arbeitgebers auf der Suche nach einer neuen Berufsperspektive eines entlassenen und grundsicherungshilfebedürftig gewordenen früheren Mitarbeiters. Ebenso denkbar ist die Einbeziehung eines unterhaltsverpflichteten Ehepartners in einem Familienkonflikt, der wegen ausbleibender Unterhaltszahlungen die Inanspruchnahme von öffentlichen Mitteln (Sozialhilfe, Unterhaltsvorschuss oder sogar Jugendhilfe) zur Folge hat. Das frühzeitige Mediationsangebot zum Zeitpunkt der Antragstellung kann zur Vermeidung von Sozialhilfefällen beitragen und führt nachweislich zur Kostenentlastung der öffentlichen Hand.
3. Gibt es Vorbilder, an denen sich die Verwaltung orientieren kann ?
Die Entwicklung der Mediation in den Verwaltungen kann sich an Vorbildern orientieren. Zu nennen ist hier die sogenannte ‘gerichtsnaheà Mediation bei den Verwaltungsgerichten. In Hessen wird beispielsweise seit dem 1.5.2005 landesweit an sämtlichen Verwaltungsgerichten einschließlich des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes die ‘gerichtsnaheà Mediation praktiziert ú ein Projekt, das federführend vom Hessischen Justizminister, Dr. Christean Wagner, und dem Präsident des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, Wolfgang Reimers, auf den Weg gebracht wurde. Vergleichbare Projekte der gerichtsnahen Mediation finden sich in Niedersachsen ú zu nennen ist hier das Projekt am Landgericht Göttingen unter der Federführung des damaligen Landgerichtspräsidenten und jetzt beim Niedersächsischen Justizministerium tätigen Dr. Peter Götz von Olenhusen, der den Teilnehmenden des workshop als Gesprächspartner zur Verfügung stand. Weitere Projekte der ‘gerichtsnahenà Mediation finden sich am Verwaltungsgericht Berlin- wesentlich geprägt durch den Vorsitzenden Richter, Prof. Dr. Karsten ú Michael Ortloff -; in Baden-Württemberg, wobei hier die Projekte bei den Verwaltungsgerichten Freiburg (Prof. Dr. Joachim von Bargen) und Sigmaringen mehrjährige Erfahrungen vorweisen können. Vom Bundesland Bayern geht aktuell eine Gesetzesinitiative aus, wonach die alternative Streitbeilegung im Vorfeld von Gerichtsverfahren obligatorisch gemacht werden soll.
4. Wer müsste den ersten Schritt wagen, um die Mediation in einer Sozialverwaltung zu institutionalisieren ?
Die Initiative zur Wahl einer alternativen Streitbeilegung kann von mehreren Stellen ausgehen:
Vom Bürger, der vorschlägt, einen Konflikt im Zusammenhang mit der Entscheidung eines Sachbearbeitenden im Rahmen einer Mediation zu überwinden;
von der Fachverwaltung mit dem Vorschlag, sich im konkreten Einzelfall eines Konfliktvermittlers / einer Konfliktvermittlerin zu bedienen;
von einem Anwalt, der einen Bürger in einem Konflikt mit der Verwaltung begleitet;
von der Behörde, die eine Serviceleistung anbietet, nämlich ein allgemeines Konfliktbeilegungssystem mit dem Ziel, einerseits Konflikte außergerichtlich zu regeln; andererseits um wiederholt auftretende Konflikte für die Zukunft zu vermeiden.
5. Ist es vorteilhaft, Anwälte / Anwältinnen in einem Konflikt mit der Sozialverwaltung in die Mediation mit einzubeziehen ?
Anwälte sollten frühzeitig in die Mediation mit einbezogen werden. Sie verhelfen der zwischen den Medianden getroffenen Vereinbarung zu einer höheren Akzeptanz. Die Gefahr des Scheiterns einer Mediation vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Anwälte in erster Linie einseitige Interessen ihres Mandanten verfolgen, nimmt ab, je mehr Anwälte mit dem Instrument der Mediation selbst arbeiten bzw. mit dieser Form der alternativen Streitbeilegung vertraut sind.
6. Welche Vorteile ergeben sich aus einer Vernetzung der Institutionen im Rahmen der alternativen Streitbeilegung in Konflikten mit der Verwaltung ?
Wünschenswert ist nach Ansicht der Beteiligten des workshop eine Vernetzung der Institutionen im Kontext der Mediation. Vorstellbar ist hier die Errichtung eines sogenannten Mediationsnotdienstes. Der Bürger braucht sich im Konflikt nur noch an eine hotline zu wenden und sein Anliegen zu schildern. Die Zentrale vermittelt dann das Zustandekommen einer Mediation unter Einbeziehung der vernetzten Institutionen (Behörden, Anwälte, Beratungsstellen, Gerichte). Mit der Vernetzung einhergehen kann ein regelmäßiger Erfahrungs- und Gedankenaustausch zwischen den Beteiligten mit dem Ziel, die Strukturen der Konfliktvermittlung zu optimieren. €ber gute Erfahrungen im Zusammenhang mit der Errichtung eines Netzwerkes bei Familienkonflikten im Zuständigkeitsbereich des Familiengerichts Heidelberg berichtete die Teilnehmerin des workshop und Vorsitzende Richterin am Familiengericht Heidelberg, Dr. Ulrike Schmidt ú Aßmann. Als Vorbild eines solchen Netzwerkes könnte hierbei das Cochemer ú Modell dienen.
Hofheim, den 8.4.2005
Mediator Thomas Rust
c/o Main-Taunus-Kreis ú Rechtsamt ú Am Kreishaus 1 ú 5, 65719 Hofheim
e-mail: thomas.rust@mtk.org
Workshop 14:
Ambivalenz und Abbrüche.
Themenpate Peter Kunkel
Zum Workshop kurz die Stichworte, auf die sich die TN geeinigt haben:
> Abbrüche können entlastend sein
> auf die Intuition vertrauen, Grundregeln der Mediation situationsbezogen
überschreiten
> Als Mediatoren brauchen wir für uns einen klaren Abschluss
Zum Thema Ambivalenzen wurde herausgearbeitet, allerdings ohne dies in eine These zu fassen, dass wir als Mediatoren öfter in den Zwiespalt kommen einerseits die Grundregeln und Prinzipien ohne Abweichung zu befolgen und andererseits diese modifizieren wollen, u.a. um in der Situation authentisch agieren zu können.
Mehr wurde nicht festgehalten, obwohl sicher vielmehr gesagt wurde und zu sagen wäre.
Noch einmal Dank für Deine Mühen mit dem Kongress und herzlichen Gruß, Peter K.
Workshop 15:
Mediatoren als Medianden
Themenpate Alexander Dees
Einführung:
Das Thema entstand aus meiner eigenen Betroffenheit. üDer Arzt als Patient, der Therapeut auf der Couch des Kollegen, der Familienrichter, der sich scheiden läßt .Î Solche Gedanken gingen mir durch den Kopf, als meine Kinder gegen mich auf Unterhalt klagten und ich für diese Situation Mediation suchte und von Herrn Prof. Proksch auch angeboten bekam.
Nun dachte ich, meine eigenen Mediation subjektiv zu dokumentieren.
üWie fühlt sich ein Mediand in der Mediation?Î Zudem dachte ich, diese Betroffenheit wissenschaftlich zu nutzen und Fallberichte und Falldokumentationen zusammen zu tragen bzw. nachzuweisen, die Medianden aus ihrer subjektiven Sicht geschrieben haben.
Ich habe alle BAFM-Institute angeschrieben. Keinem Institut sind solche subjektiven Berichte von Medianden bekannt. Gary Friedman antwortete auf meine Nachfrage: üWhat a fascinating project. I'd love to be able to help you, but I don't know of any studies ... in the U.S.. I have a lot of thoughts about this issue and would love to talk to you about this sometime ...Î
Inzwischen weiß ich, dass bei der Begleitforschung der gerichtsnahen Mediation in Niedersachsen immerhin Befragungen von Medianden stattfinden und unter diesen auch Mediatoren und Anwalts-Mediatoren sind.
Da meine eigene Mediation in der Unterhaltssache gescheitert ist, habe ich an diesem Thema nicht mehr weiter gearbeitet.
Ergebnis des Workshops:
Ich habe wieder Lust bekommen, an diesem Thema weiter zu arbeiten, und habe auch einige Hinweise bekommen, die mir weiterhelfen könnten. Das ist mein persönlicher Gewinn.
1) Wo sind die Mediatoren, die Erfahrung als Medianden haben?
2) Gibt es für Mediatoren besondere Widerstände, ihren Konflikt mit einer Mediation zu lösen?
3) Gibt es besondere Widerstände für Mediatoren, sich in einer Mediation als Mediatoren zu erkennen zu geben?
4) Was bieten wir Mediatoren unseren Medianden an, um ihnen den Widerstand gegenüber Mediation zu nehmen?
Ein Besucher bemerkte bei der Präsentation des Posters:
Die Situation üMediatoren als MediandenÎ hat auch ganz eigenartige Facetten
- der Mediator als Profi
- der Mediator als Partei
- der Mediator als Vater (in meinem Fall) oder als Ehemann
- der Mediator als Wissenschaftler.
Notabene:
Entsprechend der lateinischen Herkunft muss es üMediandÎ heißen - es heißt ja auch üSupervisandÎ
Workshop 16:
Marketing und Úffentlichkeitsarbeit.
Themenpatin Katrin Entenmann
Protokoll zum Workshop Marketing und Úffentlichkeitsarbeit anlässlich des 5. Fachkongresses der BAFM am 04. und 05. März 2005 in Heidelberg
Angestoßen durch das Impulsreferat von Frau Kahlweit von der Süddeutschen Zeitung wurden die Themen Marketing und Úffentlichkeitsarbeit intensiv diskutiert.
Dabei wurde schnell deutlich, dass Marketing und Úffentlichkeitsarbeit auf unterschiedlichen Ebenen erforderlich ist und je nach Ebene unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden und unterschiedlichen Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Als oberste Ebene wurde definiert die Bundesebene, mit der Zielsetzung, Mediation insgesamt bekannter zu machen.
Gefordert wurden hier zum einen ein klares Berufsbild (in diesem Zusammenhang erging der Hinweis auf das Ústerreichische Mediationsgesetz), der Schutz der Berufsbezeichnung Mediator, sowie eine Angleichung, möglicherweise sogar Vereinheitlichung der Ausbildungsstandards der unterschiedlichen Institute bzw. Verbände.
Einigkeit bestand dahingehend, dass nur mit einem geschlossenen Auftreten der unterschiedlichen Mediationsverbände nach außen hier eine breitere Bekanntheit des Verfahrens der Mediation erreicht werden kann.
Insoweit ergeht auch die Empfehlung an den BAFM-Vorstand, die bereits begonnene Kontaktaufnahme zu anderen Verbänden zu intensivieren und hier weiter daran zu arbeiten, das eine einheitliche Außendarstellung erfolgt.
Ein weiterer Punkt, die Lobbyarbeit, geht ebenfalls in diese Richtung.
Die Vision hier ist, dass in (allzu ferner) Zukunft die Begriffe Konflikt und Mediation verknüpft sind wie Hunger und Essen, das also logische Konsequenz eines Konfliktes ist, dass Menschen sich zum Mediator begeben.
Weitere Frage, die man in diesem Zusammenhang anstellen kann, ist darüber hinaus, wie es gelingen kann, den Menschen Selbstheilungspotenziale zu vermitteln, das heißt auf der Konfliktpräventionsebene zu arbeiten und Kommunikationsmuster zu lehren, die möglicherweise und im Idealfall die Menschen in die Lage versetzen, mit mediativen Elementen Konflikte selbst zu lösen.
Auf Regionalebene wurde folgende Vision entwickelt:
Die Entstehung eines Mediationszentrums bzw. eines Hauses für Mediation, ebenfalls verbunden mit dem Bewusstsein, dass Menschen künftig bei einem Konflikt in erster Linie daran denken, dieses Haus aufzusuchen, um dort einen für sich geeigneten Mediator zu finden. Auch regional soll das Ziel sein eine Anlaufstelle zu haben, die viele Angebote hat, zunächst eine Infozentrale die jederzeit verfügbar und erreichbar ist und dann den Menschen weiterhilft, den für sie geeigneten Mediator zu finden.
Hier wurden ebenfalls lokale Werbemaßnahmen besprochen, bis hin zu Litfasssäulen, U-Bahn-Werbung, Straßenbahnwerbung neben der bisher bereits begonnen Einzelwerbung einzelner Gruppenzusammenschlüsse.
Aus der Diskussion auf der Mikroebene ú dem Kontakt zum Endverbraucher sozusagen - wurde deutlich, dass in den Jahren, seit Mediation begonnen hat, in der Konfliktlösungslandschaft einen Stellenwert anzunehmen, bereits viel unternommen und auch einiges erreicht worden ist.
Viele Kollegen berichteten, wie sie in langjähriger und mühsamer Arbeit den Gedanken der Mediation immer ein Stückchen weiter haben tragen können, sei es durch Veranstaltungen, Flyer, durch gezielte Kontaktaufnahme mit Multiplikatorengruppen, seien es psychologische Beratungsstellen, Jugendämter, Schulen und andere.
Hier wurden etwa genannt Infoabend (einmal im Monat und kostenlos)
Klinkenputzen bei Multiplikatoren wie Kosmetikerin, Friseurin, Úrzte, Anwälte
Hervorgehoben wurde hier das Erfordernis auf winwin hinzuweisen, denn eine Anwalt tut sich sicherlich leichter, Mandanten in die Mediation zu schicken, wenn er auch wieder Beratungsprüfungsmandat zurückerhält.
Diese Basisarbeit zeichnet sich über die Jahre sicherlich weiter und weiter aus. Daneben ist es jedoch aus der Erfahrung aller Beteiligten unerlässlich, den Mediationsgedanken weiter in das Bewusstsein der Bevölkerung zu tragen, was über eine Arbeit auf der Mikroebene nur bedingt möglich erscheint.
Unter dem Votum:
Mediation ú die andere Konfliktlösung.
Wurde auf der Mikroebene vor allem gefordert eine gute Internetpräsenz mit neugierig machender Homepage, daneben zielgruppenorientierte Flyer und themenorientierte Veranstaltungen. Auf Bundesebene war etwa Fernsehwerbung vorstellbar.
Bezüglich eines Internetauftrittes wurden folgende Punkt diskutiert:
- Wie sieht eine gute Website aus
- aktueller redaktioneller Teil auf der Homepage
- Redakteure recherchieren im Internet
- konkreter Bedarf ist Voraussetzung für gezielte Nachfrage
- Mediatorenverbund regional
- Veranstaltungen zu Zielgruppenthemen
Diskutiert wurde weiter die Frage, ein Flyer für alle Zielgruppen contra Flyer für bestimmte Zielgruppen.
Bezüglich der Zielgruppen wurden folgende €berlegungen angestellt:
Es soll eine genaue Zielgruppendefinition erfolgen ú wen wollen wir erreichen?
Im Rahmen der Problemanalyse für die Verbreitung von Mediation wurde die Frage gestellt, ob wir falsch Werbung machen.
Gleichzeitig wurden die Fragen gestellt:
wie wollen wir Werbung machen,
welche Sprache brauchen wir,
wer hat welchen Nutzen,
wie wird Mediation medienfreundlich
wie kann ich Mediation in der Struktur verankern
wie kann ich das Bewusstsein der Menschen verändern
was wollen wir erreichen
wie springt der Funke über
wie können wir Erfolg haben
was haben wir schon erreicht
was brauchen wir
wie ist unsere eigene Haltung
In diesem Zusammenhang wurde auch der Begriff Mediation und dessen Bekanntheit/ Akzeptanz in der Úffentlichkeit diskutiert.
Einigkeit bestand im Workshop darüber, dass Probleme für die Mediation sich teilweise daraus ergeben, dass dieser Begriff im Deutschen nicht sehr gebräuchlich ist, und leider immer noch mit verwandten esoterischen Begriffen verwechselt wird.
Gerade im Bereich der Schulmediation wird deshalb häufig auch nicht der Begriff des Mediators sondern des Streitschlichters, Streitlotsen, Konfliktlösers, Konfliktlotsen oder Konfliktmanagers verwendet.
Einigkeit bestand bei allen Beteiligten, dass es eigentlich egal ist, wie man das Kind nennt, wenn das richtige dabei herauskommt. Vielleicht wäre auch der schlichte deutsche Begriff der Vermittlung geeigneter, eine höhere Bekanntheit und Akzeptanz herbei zu führen. Eine erneute Diskussion der Begrifflichkeiten erscheint daher durchaus spannend.
Zur Verbesserung des Bekanntheitsgrades von Mediation wurde unter anderem angeregt, wenigstens die Rechtschreibkontrolle in Word standardmäßig mit dem Begriff Mediation zu füttern.
Als weitere, die Verbreitung uns Akzeptanz von Mediation begünstigende Faktoren wurden genannt:
günstige Preise, Prozesskostenhilfe, Mediationskostenhilfe
Mediationshotline: kompetent, schnell, diskret, immer erreichbar
Schlüsselperson finden
Interview, Rollenspiele im Fernsehen
Begriff Mediation schützt Qualitätsstandards
Bundesweite Kampagnen
Mediation für alle / Blitzmediation
Rechtschutzversicherungen zahlen Mediation
Krankenkassen zahlen ú denn "Mediation macht gesund"
€bergreifende Mediatorenliste
Für die Werbung für Mediation wurden folgende Schlagworte entwickelt:
Weil wir uns das wert sich (gerichtet an die Eltern)
bzw. weil du uns das wert bist (gerichtet an die Kinder)
Es soll Vertrauen darin gewonnen werden, dass Konflikte etwas Gutes sind.
Schöner streiten mit Mediation
Mediation ú die andere Konfliktlösung
F. A. I. R. e. V.
- Mediation: ist worum es wirklich geht
- ... weil ich überleben will
- Mediation, die faire Konfliktlösung
Und dann wurde noch gespielt mit folgenden Werbeslogans:
Mediation ist fair, besser, zukunftsorientiert, kompetent, nachhaltig, macht gesund, macht schön, diskret, ehrlich, sexy, preisgünstig, echt, gut, geht schnell
Streit? Die machen das Konflikt mal anders
Und du fühlst dich besser Die klügere Lösung
Ein Start in die Zukunft Wegen der Kinder
Die Alternative Der Klügere teilt
Weil ich es mir wert bin Da ist noch mehr drin
Hat Schaden doch ist normal Macht nur Gewinner
Macht mehr Gewinner Macht unabhängig
Ihre Kinder danken es Ihnen Teilen macht mehr Spaß
Auto kaputt ú Mechaniker; Ehe kaputt - Mediator Nimm Rücksicht
Workshop 17:
Einzelgespräche in der Familienmediation
Themenpatin Dr. Barbelies Wiegmann
wiegmann-mediation@t-online.de
Der Funke sprang über zwischen Bonn und Heidelberg, als ich den Bericht von Christoph C. Paul und Marian Roberts in der Zeitschrift für Konflikt-Management las (Heft 1/2005, S. 22 ff.). Einzelgespräche in der Familienmediation? Tabuthema ú Einzelgespräche nur ganz ausnahmsweise, wenn überhaupt ú Gefährdung der Neutralität!! So hatte ich es gelernt und bisher praktiziert.
Meine eigene Erfahrung und Sichtweise spiegelte sich wieder in den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops. Wir waren uns weithin einig: Bisher folgten wir der Éreinen Lehreú, die in der Familienmediation grundsätzlich nur gemeinsame Gespräche mit den Medianten vorsah. Dabei hatte keiner die Befürchtung, bei Einzelgesprächen die eigene Neutralität zu verlieren ú wir hatten es nur immer so gehört.
Sollten wir jetzt Éalte Zöpfeú mutig abschneiden? Könnten sich durch Einzelgespräche neue Räume in unserer Mediationspraxis auftun?
1.
Spontan einigten wir uns auf drei Kernfragen:
Einzelgespräche: Warum? ú Wann ? ú Wie?
Warum? Die Erfahrungen von Marian Roberts in Großbritannien leuchteten uns ein. Einzelgespräche mit den Parteien, die Marian Roberts schon in einem sehr frühen Zeitpunkt der Mediation durchführt, können Spannungen zwischen den Medianten abbauen, einen ú vom Anderen unkommentierten ú angstfreien Raum schaffen, den Stachel aus der Kommunikation nehmen und die Autonomie des/der Einzelnen Stärken, vielleicht auch das Vertrauen in den Mediator. Dabei erinnerten wir uns zum Beispiel an Paare, die schon seit Monaten nicht miteinander gesprochen hatten und bis obenhin zugeknöpft in die Mediation kommen.
Wann? Einige von uns würden Einzelgespräche, so wie Marian Roberts es tut, bereits zu Beginn der Mediation bevorzugen, nachdem zunächst gemeinsam die Grundlagen und Spielregeln der Mediation besprochen wurden. Andere würden lieber Einzelgespräche erst später nach Bedarf einsetzen. Alle waren für Einzelgespräche während des Verfahrens, zum Beispiel um Eskalationen zu vermeiden oder um den Prozess zu deeskalieren.
Wie? Die Mehrheit der Workshoper sah Einzelgespräche als ÉEinzelarbeit im gemeinsamen Gespräch.ú Einzelgespräche also grundsätzlich während der gemeinsamen Sitzung, mit einer Dauer von höchstens 15 bis 25 Minuten. Danach Rückkehr zum gemeinsamen Gespräch, in dem die Mediatorin mit ihren Worten wiederholt, was sie von jeder Seite gehört hat, zugleich mit der Bitte, zu korrigieren und zu ergänzen.
Manche Workshoper hielten es darüber hinaus für möglich, ganze Sitzungen nur mit einer Partei zu vereinbaren, allerdings unter der Voraussetzung, dass die andere Partei dem zustimmt und ebenfalls zu einer separaten Sitzung bereit ist.
Klar wurde: Einzelgespräch immer mit beiden Parteien von jeweils gleicher Zeitdauer.
2.
Eine Teilnehmerin befürchtete, sie könnte durch Einzelgespräch Ézu viel von den Medianten für sich übernehmenú; dies war aber nicht die Meinung der Mehrheit.
Eine lange Diskussion entbrannte über die Frage, was passiert, wenn der Mediator im Einzelgespräch ÉGeheimnisseú erfährt. Marian Roberts fragt in ihren Einzelgesprächen jede Partei ausdrücklich, ob es Gesprächsinhalte gibt, die nicht in der gemeinsamen Zusammenfassung erwähnt werden sollen. Sie respektiert dabei die Wünsche der jeweiligen Partei, Ésoweit dies nicht dem Ablauf der Mediation vollkommen entgegensteht.ú
Wir unterschieden: Es gibt entscheidungserhebliche Geheimnisse und solche, die eher nebensächlich sind. Nebensächliche Geheimnisse könnten beim Mediator gut verwahrt bleiben. Bei entscheidungserheblichen Geheimnissen allerdings würde es zu einem bestimmten Zeitpunkt im Mediationsverlauf wichtig sein, die jeweilige Partei dazu zu bewegen, den vertraulichen Inhalt auch der anderen Partei zu offenbaren. Wird dies abgelehnt, müsste die Mediation abgebrochen werden.
Diese Konsequenz veranlasste einige Workshoper zu dem Vorschlag, schon bei der Ankündigung von Einzelgesprächen die Medianten zu bitten, keine einseitig vertraulichen Mitteilungen abzugeben, da sonst möglicherweise die Mediation abgebrochen werden müsste. Einwand dagegen: Der Mediator könnte sich so um die Möglichkeit bringen, Geheimnisse zu erfahren, die den Mediationsprozess untergraben, zugleich mit der Möglichkeit, die jeweilige Partei zur Offenlegung zu ermutigen.
3.
Einzelgespräche in der Familienmediation: Vision und Wirklichkeit:
Zur Zeit existiert wenig Erfahrung mit Einzelgesprächen in der Familienmediation, da eine erheblich Scheu besteht, sich darauf einzulassen.
Zukünftig werden Einzelgespräche als fester Bestandteil der Familienmediation sinnvoll und zu passender Zeit praktiziert werden. Dies wird eine weitere Möglichkeit sein, Úngste und Spannungen der Medianten zu verringern und die allgemeine Hemmschwelle gegenüber Mediation weiter abzubauen.
Workshop 18
Das ideale Mediationsbüro
Themenpate Ulf Wacker
Meine Enttäuschung könnte kaum größer sein: die Auseinandersetzung mit dem Thema hatte ja zwei Teile, die Installation Émedixiú auf dem Treppenabsatz und den eigentlichen Workshop im Rahmen des Open Space. Beides ist aus meiner Sicht in die Hosen gegangen. Diese Enttäuschung über Émeinenú Workshop hat sicher zu meiner Enttäuschung über den Kongress insgesamt (inklusive Mitgliederversammlung) beigetragen - und umgekehrt. Wobei alles vielleicht induziert ist durch meine Erinnerung der heiligen Hallen der Heidelberger Universität als bedrückender Ort aus meinen Zeiten als Jurastudent. Wie auch immer. Für mich warÃs schrecklich.
Im Einzelnen:
Die Installation hat entweder gar nichts oder aber Ratlosigkeit ausgelöst. Kein Nachdenken über Mediation als kleine, enge Welt, als Abort der Beziehung, als Black-Box der Methoden, als amputiertes Verfahren und was wir, der Architekt und ich, uns sonst noch alles ausgedacht hatten. Aber auch nichts €berraschendes, Neues, sondern einfach nur: Nichts. Jedenfalls hat mir niemand eine Reflektion mitgeteilt.
Im Open Space saß ich dann zunächst mit einem einzigen Workshopper da, der gerade dabei war, sein Büro neu einzurichten und habe mich als Inneneinrichtungsberater versucht: Teppich- oder Holzboden? Mit Tisch oder ohne? Stühle oder Sofa? Bücher raus? Das war noch der interessanteste Teil des Vormittags. Mit dem Versuch einer Diskussion über die Bedeutung der Außenarchitektur (Was erwarten die Medianten, wenn sie an einem Anwaltsschild vorbei marschiert sind? Wenn sie ein Psychologisches Institut betreten?) konnte ich einige bewegen, ein paar Minuten sitzen zu bleiben, wobei ich aber den Eindruck hatte, dass, mit vielleicht einer Ausnahme, alle nur die minimale Höflichkeitsfrist abgewartet haben. Für den Nachmittag hatte ich für den Fall von Interesse am idealen Mediationsbüro dann ja um Anruf auf dem Handy gebeten, damit ich mich wenigstens in anderen Workshops etwas schadlos halten konnte. Kein Anruf.
Ehrlich: Wenn Brandmeister Branntwein nicht gewesen wäre und der allgemeinen Selbstgefälligkeit die lustigen Seiten abgerungen hätte (ÉHab ich das richtig verstanden, Mediation ist, wenn man alles und alle beherrschen will und niemand sollÃs merkenú), hätte ich mich vermutlich in der Aula von der Orgelempore gestürzt. Auf das rote Sofa.
Workshop 24:
Ein Fall für drei
Themenpatin Barbara Wiertner
Da das ÉThemaú dieser Gruppe ein Film war, kann es sich naturgemäß um kein Protokoll im eigentlichen Sinne handeln, es ist eher ein persönlicher Erfahrungsbericht:
Ich wollte an dieser Stelle lediglich ÉSchmetterlingú sein, und das ÉOpen Spaceú benutzen, um auch einmal kurz in den Film zu schauen, aber letzten Endes bin ich doch recht lang geblieben.
Das hatte den einfachen Grund, dass ich úam Ende meiner Mediatorenausbildung- immer noch Lehrling bin und aus dem Film lernen konnte: Die genaue Struktur eines Mediationsverfahrens wird in dem Film dargestellt, es wird aber auch dazu angeregt, nach Bedarf zu variieren. Die Stufen des Mediationsverfahrens werden durchlaufen an Hand einer ausführlichen Scheidungsmediation, und man kann während des Films seinen Wissenstand und seine eigene Vorgehensweise kontrollieren. Letztlich gelingt es dem Film sogar, noch existierende Unklarheiten aufzudecken und richtig zu stellen. Insofern erscheint mir der Film ideal für Lernende.
Über den Preis von 32,¤ plus Porto wird man hinwegkommen.
Inwieweit der Film - wie angekündigt - Égestandeneú Mediatoren interessieren kann, mag ich nicht beurteilen.
Für die dritte Gruppe, die angesprochen werden soll ú nämlich die Betroffenen - könnte der Film mit seinen 197 Min zu umfangreich und evtl. auch zu unübersichtlich sein.
Für mich war er sehr aufschlussreich.
Barbara Wiertner
[1] Nachtrag der Protokollanten: Schäfer (2003) führte Befragungen in 22 von 23 in Thüringen existierenden Jugendämtern durch. Nur zwei von 23 Jugendämtern, das Jugendamt Jena und Sömmerda, bieten Mediation an. Eine gezielte Úffentlichkeitsarbeit der Institutionen findet nicht statt. Von allen dem Jugendamt gemeldeten Scheidungsfamilien nehmen nur fünf Prozent an der Mediation teil (vgl. Schäfer, R.: Trennungs- und Scheidungsmediation als organisierte Verständigung zur Konfliktregelung. Ein sozialpädagogisches Angebot der Kinder- und Jugendhilfe am Beispiel der Thüringer Jugendämter, ERGON Verlag, Würzburg, 2003).
[2] Nachtrag der Protokollanten: Im Landkreis Cochem-Zell kooperieren seit 1992 Rechtsanwälte, Mitarbeiter von Jugendamt und Beratungsstellen sowie Sachverständige miteinander. Treffen finden regelmäßig statt, mit der Zielsetzung, Betroffene von Trennung und Scheidung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit bestmöglich zu unterstützen (vgl. für die Entwicklung des Cochemer Modells Füchsle-Voigt, Zeitschrift für Mediation, 1998 und für weitere Informationen: http://www.ak-cochem.de)