BAFM
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.
BAFM-Kongress in Heidelberg-
"Mediation zwischen Vision und Wirklichkeit"
Die Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation (BAFM) veranstaltete ihren 5. Fachkongress vom 4. bis 5. März 2005 in Heidelberg.
"Lange lieb ich dich schon…" hatte Hölderlin über Heidelberg gedichtet, und dies Motto war dem Kongress dann auch vorangestellt.
Die Lehrenden und Leitenden des Heidelberger Institutes für Mediation,
Lis Ripke und Professor Dr. Reiner Bastine, hatten die Begegnung, zu der sich knapp 250 Teilnehmer/innen einfanden, inhaltlich vorbereitet und ermöglichten so eine Standortbestimmung der aktuellen Debatte um Mediation und eine persönlich geprägte, sorgfältig betreute und gutgelaunte Begegnung.
Die Atmosphäre der alten Heidelberger Universität, die Tradition, Gediegenheit, Neugierde, Erfahrung und Offenheit gleichermaßen repräsentiert, war ein locus inspirandis für das gesamte Treffen, eine sinnlich unterstützende Voraussetzung
für Austausch, Diskussion, schöne Anstrengung und Muße.
In der Einladung hatte es geheißen: "Wir sollen uns verstärkt mit den Visionen beschäftigen, die die Mediation an die Gesellschaft vermitteln kann und die uns möglicherweise von der Gesellschaft aufgetragen werden."
Dazu legte am ersten Tag das Referat von Frau Prof. Dr. Angela Mickley, Professorin
für Friedenserziehung an der Fachhochschule in Potsdam, die Grundierung. Ihre Erfahrung aus der Friedensarbeit in Namibia öffnete den Radius, in dem Mediation Anwendung finden kann und sollte. Ergänzt durch "Außen-ansichten auf Familienmediation" durch Prof. Dr. Bomewasser aus Greifswald, über die Zukunft der "public health" durch Prof. Dr. Georges Füllgraff sowie Aspekte des Zivilrechts von Prof. Dr. Katzenmeier aus Köln bewegte das Auditorium darüber hinaus die Problematisierung einer Autorin der Süddeutschen Zeitung, Cathrin Kalweit, inwieweit Mediation als Konfliktbearbeitungsmethode bereits genügend im Bewusstsein der Gesellschaft Platz gegriffen habe. Kommentiert wurden die Impulsreferate durch Gründungsmitglieder und "Urgestein" der BAFM, Jutta Lack-Strecker, Berlin,
Dr. Gisela Mähler, München, Heiner Krabbe, Münster, und Christoph C. Paul, Berlin.
Im Weiteren wandten sich die Kongressteilnehmer unterschiedlichsten Teilaspekten zu:
konkrete Fallarbeit, Gerechtigkeitsaspekte, künstlerische Gruppenarbeit, binationale Paare in der Mediation, Kreativitätstechniken, Einfluss verschiedener therapeutischer Schulen, Kinder im Mediationsgeschehen, Körperwahrnehmung als kreatives Potenzial etc. Wichtig wurde dabei für alle eine innovative Form des gemeinsamen Arbeitens. Angewandt nämlich wurde die Methode des Open space, einer speziellen Form der variablen Gruppenarbeit, die Spontaneität, Mobilität und Verantwortung der Einzelnen fürs Ganze betont. Jede Gruppe kann sich selbst neu schaffen, Arbeitszusammenhänge existieren so lange, wie das lebendige Interesse an ihnen besteht.
Zur Heranführung an diese Methode gab der Moderator und Coach Amd Küppers Hilfestellung. Mit seiner Unterstützung wurde aus einem ungeordneten Plenum in der Neuen Aula der Universität eine parallel arbeitende konstruktive Summe von Gruppen, deren Ergebnisse schließlich am nächsten Tag vorgestellt werden konnten. Es wurde deutlich, dass die Mediation für die meisten der fast 250 Teilnehmer/innen eine feste Größe ihres Arbeitsalltages und ihrer beruflichen Orientierung darstellt bzw. große Attraktvität als zukünftiges Berufsbild besitzt, dass die Mediation an der Schwelle breiter Akzeptanz und Ausdifferenzierung, auch im gerichtsnäheren Raum, angekommen ist und die kritische, auch selbstkritische Bilanz eine selbstverständliche Aufgabe darstellt. Gleichzeitig wurde deutlich, wie notwendig eine Selbstdarstellung der Mediation für die breiteren Klientengruppen ist und dass es hierbei durchaus noch Vermittlungsprobleme gibt.
Sowohl der zunehmende internationale Aspekt als auch die europäische Imple-mentierung der ethischen Grundlagen haben der Mediation als Verfahren eine neue Dimension verschafft. Neue Formen der gemeinsamen Arbeit, real oder virtuell vernetzt, national oder international, unter Einbeziehung eines breiten Spektrums von Methoden zwischen Spieltheorie, Körperarbeit, Familientherapie und Coaching, Aufnahme von psychologischen, ökonomischen und politischen Elementen, stellen eine große Potenzialität für die Zukunft der Mediation dar, verlangen aber umso mehr und deutlicher nach Definitionsarbeit und Klarheit in der Differenz. Daneben kann auch im täglichen Procedere, im Alltag der Beratungsstelle oder Kanzlei, nie von einem abgeschlossenen Bild der Mediation gesprochen werden. Anwendungsbereiche in Familie, Wirtschaft, Politik, in gerichtsnahen Verfahren durchdringen sich; Trennschärfen zwischen Anwendungsbereichen, Inhalten und Methoden sind je neu zu suchen.
Und last, but not least wurde deutlich, dass die aktuellen Debatten auf den verlässlichen Fundamenten und Visionen der Gründergeneration in der mediativen Arbeit in Deutschland aufbauen.
Die inhaltliche Arbeit auf dem Heidelberger Kongress wurde ergänzt durch einen Empfang im Rathaus der Stadt Heidelberg sowie ein Galadiner im Prinz-Carl-Palais mit der Liveband "Sovietabilly", die mit ihrer Mischung aus Odessa-Pentatonik und Hillibillie-Rock ältere und jüngere Semester gleichermaßen in Schwingung versetzte.
Der 5. Fachkongress der BAFM über "Mediation zwischen Vision und Wirklichkeit" vermittelte eine souveräne und unerschrockene Sicht auf Praxis und Zukunft der Mediation. Mediationsanalog wurde separiert und positiv konnotiert, aber auch beharrlich nachgefragt und in allem Respekt geprüft und auf die Zukunft orientiert. Autonomie, Rückgriff auf Ressourcen und immer neues Reframing im gesamten Feld brachte die Teilnehmer/innen professionell und persönlich näher und erlaubte so eine von Wahrhaftigkeit, Sympathie und Energie geprägte Debatte über die Vision und Wirklichkeit der Mediation.
Sabine Zurmühl, M. A., Geschäftsführerin der BAFM, Journalistin,
Mediatorin (BAFM), Ausbilderin am Berliner Institut für Mediation
