BAFM     
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.

Kooperation mit familialen Diensten, institutionelle

Verankerung der Familienmediation

Die Verbandskonferenz der BAFM

Grammatik, griech. Grammatike Techne, ist Sprachkunst.

Dies ließ uns weiland der große bayerische Linguist Karl Valentin am Beispiel der Plural formen des Semmelknödels ahnen. Und so, wie diese süddeutsche Sättigungsbeilage
auch dem schmeckt, der sie nicht zu deklinieren versteht, so hat auch die BAFM mit ihrer "Verbandskonferenz", die eigentlich eine Konferenz der Verbände ist, etwas anerkannt Sinnvolles auf die Beine gestellt.

Einer ursprünglichen Anregung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) folgend, lädt der Vorstand der BAFM seit 8 Jahren jährlich zweimal VertreterInnen von Berufsverbänden, Fachgesellschaften und Dachorganisationen von Beratungs- und Weiterbildungseinrichtungen (l) ein, zusammen mit den Vertretern der BAFM-Ausbildungsinstitute gemeinsam vor- und nachzudenken über Rolle und Stellenwert von Familienmediation im Rahmen allgemeiner Familienkonfliktberatung bei Trennungs- und Scheidungskonflikten, bei Umgangs- und Sorgerechts-, Mehrgenerations- und Ablösungskonflikten sowie Erbschaftsstreitigkeiten.

Erfahrungen und Ideen werden ausgetauscht, wo Familienmediation anderes leisten kann als die klassischen Formen der Konfliktentscheidung. Anderes im Kontext von Mediation bedeutet, Autonomie und Selbstbehauptung sowie Koope-rationsfähigkeit der Konfliktpartner qualitativ zu stärken und quantitativ zu fördern.

Ebenso werden die Anwendungsmöglichkeiten der erlernten Basistechnikender unterschiedlichen Professionen im Kontext einer mediativen Grundhaltung auf erweiterte Konfliktfelder wie z.B. Nachbarschafts- und Mietstreitigkeiten, im Arbeitsbereich, in der Schule, im Krankenhaus-, Pflege- und Heimbereich thematisiert.

Die BAFM als interdisziplinäre und pluriprofessionelle Organisation ist an dieser breiten Kooperation mit allen Akteuren, die professionelle familiale Dienste anbieten, schon deshalb interessiert, weil nach ihrem Selbstverständnis die in der Mediation erforderliche Offenheit, Transparenz und Selbstorganisation auch in ihrer eigenen Kommunikation und Kooperation nach außen zum tragen kommen sollte.

Aus Sicht der BAFM soll diese fast schon institutionalisierte "Verbandskonferenz"
dazu beitragen,

- die Interdisziplinarität von Familienmediation zu stärken;

- die Qualität der Aus- und Weiterbildung und damit die Qualität des Angebots

von Familienmediation zu sichern;

- mediative Ideen und Vorgehensweisen in der Öffentlichkeit stärker bekannt zu machen;

- Forschungsvorhaben zu initiieren bzw. abzustimmen, um langfristige Auswirkungen unterschiedlicher Verfahren der Bearbeitung bzw. der Entscheidung von Familienkonflikten vergleichend zu untersuchen;

- Vorschläge für Regierung und Gesetzgeber zu erarbeiten, um Familienmediation langfristig gesetzlich abzusichern.

Naturgemäß wird diese Agenda nicht von allen Akteuren in allen Punkten und mit gleichem Gewicht geteilt.

Einzelne Akteure bringen eigene Vorstellungen und Interessen ein, unterschiedliche Auffassungen treten zu Tage, werden herausgearbeitet und verstanden, Konflikte werden ausgetragen.

Das darf nicht verwundem, da die Akzente untereinander und mit der BAFM auf unterschiedlichen Ebenen um Ressourcen konkurrieren.

Eher schon können, ja müssen die Erfolge erstaunen, die in der BAFM-"Verbands-konferenz" in wenigen Jahren erzielt wurden. Erstes wichtiges Thema war die Aus-und Weiterbildung in Familienmediation als Qualifizierungsmerkmal.

Hans-Georg Mähler, der mit Gisela Mähler gemeinsam über Jahre die Verbandskonferenz leitete und die ersten Gespräche mit dem BDP führte, schrieb dazu: "Die Ausbildungs-ordnung der BAFM (hat) vielfache Anerkennung gefunden. Sie dient heute nicht nur als Grundlage für die Ausbildung der zehn von der BAFM anerkannten Ausbildungsinstitute, sondern wird darüber hinaus, meist in Kooperation mit anerkannten Ausbildungsinstituten, von den Akademien bzw. Ausbildungsinstituten des BDP, der BKE, der Paritätischen Akademie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) sowie dem EZI (Evangelisches Zentral Institut für Familienberatung) angewandt. Die Universität Oldenburg hat ihre spezifische Weiterbildung für Familienmediation auf die Ausbildungsordnung der BAFM abgestimmt. Andere Institutionen streben die Kompatibilität mit der Ausbildungsordnung an. Die Hauptversammlung der BRAK hat die Ausbildungsordnung der BAFM bereits im September 1996 als beispielhaft empfohlen und sie im April 1999 auch für Ausbildungen auf anderen Konfliktfeldem der Mediation, namentlich der Wirtschaftsmediation, als Grundmuster empfohlen. Der Schweizerische Verein für Mediation hat sie in ihren Kembestandteilen übernommen und auch in Slowenien richtet sich die Praxis nach ihren Maßstäben. Die Ausbildungsordnung der BAFM hat Maßstäbe gesetzt."

In letzter Zeit wird ein zunächst fast zu kontroverses Thema zu einem fast schon absehbaren guten Ende geführt.

Das Ministerkomitee des Europarates (1998), die EU-Kommission (2002) und das Bundesministerium der Justiz beschäftigen sich damit, wie alternative, außergerichtliche Verfahren der Streitbeilegung im Familienrecht und hier be-
sonders Familienmediation politisch gesetzlich gefördert und gestärkt werden können.

Im Hinblick auf diese politischen Tendenzen hat die BAFM ein Forschungs-und Modellvorhaben initiiert mit dem Titel "Familienmediation in der institutionellen Beratung". Das BFMSJS hat seine grundsätzliche Bereitschaft erkennen lassen, dieses Vorhaben zu fördern, allerdings ist der Start dieses Projektes aus fiskalischen Gründen derzeit noch nicht möglich. Voraussetzung ist auch, dass die Dachorganisation der institutionellen Familienberatung dem Vorhaben zustimmen und es mittragen.

Diese Abstimmungsprozesse, die auch Rückwirkungen auf Inhalte und Methoden des Forschungsvorhabens selbst haben, sind zur Zeit im Gang. Sie verliefen sicher nicht so erfolgversprechend, waren nicht in den vielen Jahren "Verbandskonferenz" Vertrauen und viel Respekt zwischen den beteiligten Akteuren gewachsen.

Jutta Lack-Strecker Sprecherin der BAFM
Christoph C. Paul Sprecher der BAFM

Der Verbandkonferenz der BAFM gehören zzt. Vertreter/innen folgender
Organisationen an:

AG Mediation im Deutschen Anwaltsverein (DAV), AG Familienrecht im DAV. Arbeiterwohlfahrt, Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE), Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Bundesverband Deutscher Diplom-Pädagogen und Diplom-Pädagoginnen (BDDP), Bundesverband Katholischer Ehe-, Familien-und Lebensberaterinnen und -berater, Centrale für Mediation. Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF), Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT), Deutscher Berufsverband für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Heilpädagogik (DBSH). Ev. Konferenz für Familien-und Lebensberatung (EKFuL), Evangelisches Zentralinstitut für Familienberatung (EZI), Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächstherapie (GWG), Landesjugendamt Berlin, Landesjugendamt Rheinland, Pro Familia Baden-Württemberg, Zentrum Seelsorge und Beratung.



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