BAFM     
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.

Familie in Bewegung – wohin?

Konzept eines Netzwerks

Über 60 Regionalgruppen arbeiten in engem oder losem Zusammenhang mit der BAFM. Eine Mischung zwischen Stammtisch, Kollegen-Aquise, Diskussionskreis zwischen Psychologen und Anwältinnen, zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern der BAFM …
Die Idee für die Regionalgruppen ging von der Erfahrung aus, dass der Zusammenhalt
bzw. die Chance zum konkreten Austausch in der Region, in der lokalen Nähe besonders groß ist: die Mediation als Idee und als Arbeitsfeld, da gibt es viele Möglichkeiten. Der Arbeitskreis Mediation Düsseldorf/Niederrhein veranstaltete seine l. Fachtagung im Oktober 2002 im Kultur- und Kongresszentrum der Stadt Goch mit großem Echo.
Wir stellen Ihnen hier den Bericht der Düsseldorfer Regionalgruppe vor.

Die Veranstaltungsplanung ergab sich zum einen aus unserer Erfahrung interdisziplinärer Verknüpfung und unserem Bedürfnis nach Austausch. Sie sollte eine Antwort sein auf die wiederholten Anfragen an unseren Arbeitskreis nach fachlichem Austausch der Professionen, die im Rahmen der Familien-Konflikt-Begleitung arbeiten.

Unser Arbeitskreis Mediation Düsseldorf/ Niederrhein wurde 1995 als Regionalgruppe im Kontext der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation (BAFM) gegründet. Wir sind eine interdisziplinäre Gruppe von Mediatorinnen und Mediatoren, die Mediation nach den Standards der BAFM ausüben.

Seit der Gründung unseres Arbeitskreises hat sich im Bereich der Familien-Lebenswelten viel getan: bewegliches Sich-Einlassen auf neue Lebensformen wird von den Familien erwartet. Damit Eltern und Kinder Phasen der Neuorientierung nicht als Balanceakt ohne Netz erleben, hat der Gesetzgeber für ein familienunterstützendes Netzwerk einen Rahmen vorgegeben.

Beim kollegialen Erfahrungsaustausch stellte sich immer wieder die Frage: Wie können die Vorgaben des Kindschaftsrechtsreformgesetzes für den Familienalltag bestmöglichst umgesetzt werden? Wie ist das Netz zu knüpfen, das familientragfähige Angebote machen kann für die Bereiche Erziehungsunterstützung, Krisen- und Konfliktbewältigung, insbe-sondere bei Trennung und Scheidung?

Es entstand die Idee einer Fachtagung. Bei der Realisierung wurden wir engagiert unterstützt durch die Stadt Goch. Sie kam zustande und traf auf unerwartet großes Echo.

Nachdem der Bürgermeister der Stadt Goch begrüßt hatte, sprach der Referent
Dr. Reinhard Wiesner über den gesetzlichen Rahmen und die Intentionen des Gesetzgebers, dem Auftrag des Staates zur Förderung der Familie gerecht zu werden. Stichworte waren dabei das Kinder- und Jugendhilfegesetz mit dem Grundgedanken der Förderung von Kindern und Jugendlichen durch Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern, ebenso die gesellschaftliche Erwartung an die Eltern mit der impliziten Gefahr der Überforderung bzw. der Eltern-Unterstützung und -Schulung, um eben diese Über-forderung zu verhindern. Schließlich wurde die Jugendbilfe zwischen steigendem Bedarf und schwindenden finanziellen Ressourcen thematisiert.

Dieser weit gespannte Bogen enthielt viele Ansatzpunkte für die anschließende Diskussion, die der Rechtsanwalt Jürgen Brinkamp moderierte.

Im Mittelpunkt dieser Debatte stand die These: Familiäre Probleme werden durch die Familie gelöst werden, die Ankündigung also eines Muster-, eines Paradigmenwechsels: wer Konflikte lösen will, muss entsprechende Verfahren und Möglichkeiten kennen lernen, Unterstützungsangebote für Eltern.

Ein nachfolgendender Teil thematisierte die "Familiendynamik bei Trennung" mithilfe u.a. einer Familienaufstellung. Auch hier wurde anschaulich die Verunsicherung von Eltern vor Augen geführt, die u.U. verstärkt wird bei einem nicht transparenten HeIfersystem.

Den Abschluss der Tagung bildete der Komplex "Vernetzung erfolgreicher Mediation"
durch Professor Proksch, Gründungsmitglied der BAFM aus Nürnberg. Als Beispiel galt das Modellkonzept "Kooperative Vermittlung" beim Jugendamt Jena. Bei allen Schwierigkeiten und Härten gehe es um den Auftrag des Gesetzgebers an die Eltern, das Recht des Kindes auf Umgang mit beiden Eltemteilen zu realisieren.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellten die Mitglieder des Arbeitskreises Mediation Düsseldorf/Niederrhein noch ihre Netzwerk-Konzeption vor.

Es gab bei dieser l. Fachtagung ein reges, aufgeschlossenes, ermutigendes Interesse. Ein Tagungs-Reader ist geplant, der angefragt werden kann unter der Telefonnummer (02 11) 35 17 00.

Dorothee Göring-Weitz, Assessorin iur., Mediatorin

Renate Kohl, Dipl. -Sozialarbeiterin, Mediatorin

Arbeitskreis Mediation Düsseldorf/Niederrhein

 

Aus Kind-Prax 2/2003



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