BAFM
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.
Kontaktstudium Mediation an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Im Herbst 1998 startete der erste Durchgang des Kontaktstudiums Mediation
der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Es war die erste umfassende Mediationsweiterbildung, die an einer Universität angeboten wurde. Im Jahr 2001 begann die dritte Weiterbildungs-gruppe. Es handelt sich um eine postgraduale, berufs- und praxisbegleitende Weiterbildung. Im Rahmen der Weiterbildung werden aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen und Ergebnisse zu anwendungspraktischen Methoden und Verfahren aufgearbeitet. So werden Hilfestellungen bei Problemen der alltäglichen Berufspraxis ermöglicht. Der Veranstalter ist das Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (folgend abgekürzt ZWW), eine zentrale Einrichtung der Universität, die
unter anderem seit über 15 Jahren auch langfristige Weiterbildungen für psychologisch-
sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder anbietet (u.a. Familientherapie, Systemische Beratung, Supervision und Organisationsberatung).
Entstehung des Kontaktstudiums Mediation
Eine Gruppe von Wissenschaftlern verschiedener universitärer Fachbereiche und Einrichtungen der Universität Oldenburg fand sich Antang 1997 zusammen, um erste konzeptionelle Überlegungen für eine Mediatorenausbildung zusammenzutragen. Nicht zuletzt aufgrund der langjährigen Praxiserfahrung der Wissenschaftler des ZWW mit Konfliktbearbeitung, beispielsweise im Bereich der Familientherapie, der Organisations-beratung und Supervision, war es naheliegend, diese Ressourcen zu nutzen, um eine fundierte, praxisan-gemessene Medialionsausbildung zu konzipieren und umzusetzen.
Im Rahmen eines vom Förderverein Umweltmediation e. V. geförderten Projekts fand im Herbst 1997 der Workshop „Ausbildung von Mediator(inn)en" an der Universität Oldenburg statt. Über 60 erfahrene Mediationsexpertinnen kamen zusammen, um über die Ausbil-dungsinhalte aller bekannten Mediationsbereiche zu diskutieren. Es war das bundesweit erste Treffen dieser Art, bei dem Ausbilderinnen und Dozentinnen sowohl aus dem Hoch-schulbereich als auch von privaten Instituten aus dem In-und Ausland ihre Erfahrungen austauschten. Die große Präsenz von Vertretern der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation (BAFM) auf dieser Veranstaltung war besonders erfreulich. Verfügten diese doch über die größte Praxiserfahrung im Mediationsbereich überhaupt und darüber hinaus über langjährige Erfahrung bei der Entwicklung von Ausbildungskonzepten, bei der Gründung von Ausbildungsinstituten und der Vernetzung der Mitglieder in Regional-gruppen. Entsprechend informativ waren die Beiträge der lebhaften Diskussionen und die Ergebnisse der verschiedenen Workshops. Dieses Treffen war für die folgende, sehr kooperative Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlern der Universität und aner-kannten Ausbilderinnen der BAFM die Grundlage.
Auf der Basis dieses Workshops erarbeitete die Arbeitsgruppe Mediation’ der Universität Oldenburg das Curriculum für das Kontaktstudium Mediation. Der intensive Austausch mit den Ausbildungs- und Praxiserfahrungen der Dozentinnen und Teilnehmerinnen bewirkt eine laufende Weiterentwicklung des Ausbildungskonzepts. Darüber hinaus bewirkt die Zusammenarbeit und der Austausch mit verschiedenen Hochschulen (z. B. FH Aargau, Fern-Universität Hagen, FH Potsdam) und verschiedener Institute der BAFM (Mediationswerkstatt Münster, Heidelberger Institut für Mediation, Eidos München, Zusammenarbeit im Konflikt e. V. und 1SKA, Nürnberg) eine hohe Professionalisierung
und Qualitätssicherung. Nicht zuletzt wird dies auch durch die enge Kooperation mit praxiserfahrenen, BAFM-anerkannten Familienmediatorinnen und Familienmediatoren aus unserer Nordwestregion unterstützt, die Mitglieder der Arbeitsgruppe Mediation sind.
Die Harmonisierung des Schwerpunktbereichs Familienmediation mit den Ausbildungs-richtlinien der BAFM führte schließlich zur Anerkennung des Oldenburger Curriculums. Damit steht den Absolventen die attraktive Möglichkeit offen, die BAFM-Mitgliedschaft
zu erwerben.
Das Curriculum, die Interdisziplinarität der Teilnehmerinnengruppe
und die Supervision
Das Weiterbildungskonzept beinhaltet ein Grundstudium von 170 Unterrichtsstunden, in dem ein hoch interdisziplinär zusammengesetzter Teilnehmerinnenkreis gemeinsam die grundlegenden Methoden und Techniken der Mediation erarbeitet. Die Zusammensetzung aus so unterschiedlichen Berufgruppen wie Psychologen, Pädagogen, Juristen, Ingenieuren, Architekten und Betriebswirtschaftlern wird von den Teilnehmenden immer wieder als sehr fruchtbar und horizonterweitemd empfunden, wenn sie auch über Strecken als sehr herausfordernd bewertet wird. Am Ende des Grundstudiums entscheiden sich die Teilnehmerinnen für einen der drei Schwerpunktbereiche: Trennungs- und Scheidungs-mediation, Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt oder Mediation im öffentlichen Bereich. Der Studienschwerpunkt umfasst weitere 80 Unterrichtsstunden praxisorientierte Seminararbeit, um die spezifischen Inhalte und Methoden des jeweiligen Anwendungs-bereichs der Mediation zu vertiefen.
Begleitet wird die Weiterbildung durch insgesamt 120 Unterrichtsstunden Fall-supervision. Sie dient zur Reflexion und Bearbeitung der konkreten Mediationsfälle der Auszubildenden und ist daher grundlegend an der Arbeitspraxis orientiert. Als Ergänzung zu inhalts-bezogenen Seminaren ermöglicht Supervision ganz eigene, essentielle Lernerfahrungen. Unsere konzeptionellen Vorüberlegungen einer vergleichsweise umfangreichen weiter-bildungsbegleitenden Supervision werden durch die guten Erfahrungen aus den ersten Kursdurchgängen rundum bestätigt. Die Fallsupervision baut gewissermaßen Brücken zur Praxis und bietet, dort angekommen, gleichzeitig vielfältige Unterstützung in der konkreten Me-diationsarbeit an.
Dr. Joseph Rieforth, Dipl.-Psych. (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung)
Eckard Schnitters (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung)
Dipl.-Psych. Hansjörg Schwartz (Mediationsbüro Schwartz, Oldenburg)
1 Die Arbeitsgruppe Mediation ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern der Universität Oldenburg, dem An-lnstitut MEDIATOR GmbH der Universität und praxiserfahrenen Mediatorinnen aus der Region.
Aus Kind-Prax 4/2002
