BAFM     
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.

Das Hamburger Institut für Mediation e.V. – eine kleine Geschichte über den Zusammenschluß von Mediatoren und Anhängern der Mediationsidee

Die Nachfrage hielt sich in überraschend engen Grenzen, als wir unsere frisch erworbenen Kenntnisse als Familienmediatoren auf dem freien Markt in Hamburg anboten. Das war Anfang 1995. Wir, das waren zwei Rechtsanwältinnen mit dem Schwerpunkt Familienrecht und zwei Professoren des Fachbereichs Sozialpädagogik der Fachhochschule. Kennen gelernt hatten wir uns in der ersten Ausbildung von Familienmediatoren. die nach den Richtlinien der BAFM in Berlin durchgeführt wurde. Zusammenwirkenim Familienkonflikt,   das war der Name des Ausbildungsträgers. Gemeint war das Zusammenwirken insbe-sondere der juristischen und der psycho-sozialen Berufsgruppen im Mediationsprozess. Multiprofessionalität wurde dann auch ein bestimmendes Credo in der Ausbildung und bei der Entwicklung unseres Selbstverständnisses als Mediatoren. Eindrucksvoll demon-strierten unsere Ausbilder dieses Prinzip in ihrer Arbeitsweise. Lebhaft und überzeugend wurden uns Theorie und vor allem Praxis der Familienmediation nahegebracht. Da hieß es, Struktur geben und ergebnisorientiert arbeiten sowie Interessen und Bedürfnisse verstehen und anerkennen. Beides eingebettet in eine Grundhaltung, die die Verantwortung für Lösungen nicht nur vordergründig bei den Beteiligten belässt. All dies im Mediations-verfahren zu integrieren, war die neue Aufgabe. Zügig wollten wir unsere Kenntnisse
in die Tat umsetzen.

Wir merkten schnell, Hamburg war nicht Berlin und schon gar nicht München oder Süddeutschland, die Hochburgen der Familienmediation in Deutschland. Die Nachfrage nach Familienmediation war ausgesprochen spärlich im Norden. Der Bekanntheitsgrad gering. So lag es nahe, parallel zum Aufbau unserer Praxis für Familienmediation Bündnispartner für eine regionale Öffentlichkeitsarbeit zu finden. Das von uns hochgeschätzte Verfahren sollte allen potenziell Interessierten bekannt, die Möglichkeit
der konstruktiven Auseinandersetzung in Konflikten breit genutzt werden.

Die Gespräche mit lokalen Pionieren der gut überschaubaren Mediationszene, auch aus anderen Bereichen als der Familienmediaton, machten deutlich, wir standen alle vor dem gleichen Berg. Von der Idee und der Wirksamkeit des Verfahrens überzeugt, mangelte es an konkreter Nachfrage. Der Vision, durch den Einsatz von Mediation einen Beitrag zur Veränderung der privaten und öffentlichen Streitkultur zu leisten, standen Unkenntnis und das Festhalten an traditionellen Wegen der Konfliktaustragung gegenüber. Um hier effektiv aufzuklären und für die Mediationsidee zu werben, bot sich die Kooperation aller Interessierten an. Was lag näher, als gemeinsam einen Verein zu gründen?

Im Juni 1995 kam es zur Gründung. Zehn Mitglieder waren der Anfang. Vorrangiges Ziel war die Einrichtung einer Anlaufstelle für alle, die sich mit Mediation befassen wollten, Informationen nachfragten, Ausbildungsinteresse hatten oder geeignete Mediatoren suchten. Das erforderte Investitionen, die Einrichtung einer stundenweise besetzten Geschäftsstelle, technisches Equipment, idealistisches Engagement der Mitglieder. Arbeitsgruppen wurden gebildet. Klar war, dass nicht nur Familienmediation im Zentrum der Aktivitäten stehen sollte, sondern alle denkbaren Anwendungsfelder von Mediation.
Als Schwerpunkte erwiesen sich schnell, und das ist bis heute so geblieben, das Infor-mationstelefon, Öffentlichkeitsarbeit, die Ausbildung in Familienmediation, Wirtschafts-mediation und Seminare /Work-shops zu verschiedensten Themen der Mediation. Die Klammer des Vereins zur BAFM wird besonders durch die, nach den BAFM-Richtlinien stattfindende Ausbildung in Familienmediation gebildet. Diese Ausbildung und die in ihr tätigen Ausbilder sind von der BAFM anerkannt. Insoweit besteht unter dem Dach des Vereins ein gesondertes Ausbildungsinstitut für Familienmediation.

Als Alternative zur intensiven Ausbildung in Familienmediation (ca. 220 Std.) bietet der Verein eine 120-Stunden-Ausbildung in Mediation an, die Vertiefungen in unterschiedlichen Anwendungsfeldern ermöglicht. Diese Ausbildung wird in Kooperation mit der Mediations-stelle Brückenschlag e.V., Lüneburg, durchgeführt.

In der Diskussion aller von der BAFM anerkannten Ausbildungsinstitute zeichnet sich derzeit ab, was die Identität des Hamburger Vereins von Anbeginn ausgemacht hat, die Öffnung des Anwendungsspektrums von Mediation für Konfliktfelder, die bei der Entwicklung des Konzepts nicht Pate gestanden haben. So führt der Weg der Familien-mediation aus der Enge der Trennungs- und Scheidungsmediation hinaus in weitere Gestaltungsbereiche des familiären Lebens. Die Idee der Erweiterung und Transformation des Instrumentariums der Familienmediation wird denn auch in Hamburg diskutiert. Angedacht ist eine Ausbildung in Wirtschaftsmediation. Geplant ist ein Angebot für den geschützten Umgang von Kindern mit ihren Eltern.

Bis heute ist die Zahl der Vereinsmitglieder auf über 80 angewachsen. Die Nachfrage nach Familienmediation auf dem freien Markt hat sich gut entwickelt. Im Bereich Wirtschafts-mediation bestehen gesteigerte Erwartungen auf dem Hintergrund eines Kooperations-projektes mit der hiesigen Handelskammer und der Anwaltskammer.

Insgesamt lässt sich resümieren: Ein später Frühling der Mediation hat sich in Hamburg eingestellt. Wir erfahren und stellen fest, der Weg der Umsetzung von überzeugenden Ideen und Konzepten ingesellschaftliche Praxis ist langwierig und aufwendig. Der Zusammenschluss und die Kooperation aller an der Ausweitung von Mediation Interessierten ist hilfreich, mehr noch, beides ist notwendig. Gemeinsam haben
wir in den fünf Jahren seit der Vereinsgründung viel erreicht.

Regina Harms Peter Kunkel

 

Aus Kind-Prax 3/2000



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