BAFM
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.
Berufspolitik und Dienstleistung
Bericht aus der BAFM-Geschäftsstelle
Wer in die Berliner Geschäftsstelle der BAFM kommt, kann durchaus auch auf Besucher, angemeldet, unangemeldet, aber immer willkommen, treffen: die junge Sozialpädagogin aus Frankfurt/ Oder, die das Archiv nutzt; der Kollege aus Australien, der schon in Sydney als Mediator gearbeitet hat und jetzt enttäuscht ist, dass er nicht gleich hier, in der Geschäftsstelle, sich als deutscher Mediator anheuern lassen kann; die Journalistin eines bayerischen Provinzblattes, die einen sehr informativen und einfühlsamen Artikel über dieses ihr neue Verfahren mit Namen “Mediation” schreiben wird; eine bulgarische Juristendelegation, die einige Wochen später mit einer herzlichen Gegeneinladung aufwartet; und nicht zuletzt der türkische Familienvater, der die Mediationsadressen lieber gleich selbst abholt … Ein kleines Büro in Berlins altem Prachtwesten, zwischen Nollendorf-platz und KaDeWe, im hinteren Teil der Kanzlei von BAFM-Sprecher Christoph C. Paul, gleich hinter der Kaffeeküche. Die Geschäftsstelle der BAFM wurde vor knapp drei Jahren von Marburg in die Hauptstadt verlegt und neu besetzt. Und zu tun gibt es genug und Vielfältigstes, in Absprache und Austausch mit dem Vorstand. Die BAFM hat inzwischen etwa 550 Mitglieder, “Ordentliche” der ersten Anfangsjahre, die sich fast alle untereinander kennen, neue, die voller Ungeduld auf ihre Zugangsurkunde warten, leise Mitglieder und anspruchstönende, einsatzfreudige und eher aus der Ferne kritische: Anwälte, Sozial-arbeiterinnen, Pfarrer und Diplom-Psychologen. Eine erfreulich bunte Mischung aus Hamburg und Wanne-Eickel, Augsburg und Rügen, Dresden, München, Soest und Freiburg, querbeet. Die Mitglieder sollen die Möglichkeit haben, sich über die berufs-politischen Debatten und Aktivitäten zu informieren: die Stellungnahme der BAFM zum “Grünbuch der EU über außergerichtliche Konfliktregelungen”, die Initiative der Österreicher für ein Mediationsgesetz, den Internationalen Zusammenschluss “Tavola Ronda”, der seinen Sitz in Italien hat, die geplante Konferenz des Weltforums für Mediation in Buenos Aires im Mai 2003 – oder auch die jüngste deutsche Rechtsprechung zum “Führen des Titels Mediator” oder zum Problemkreis “Rechtsberatung”. Für all dies versucht die Geschäftsstelle, ein Dienstleistungszentrum zu sein, Vernetzung zu unterstützen, Information und Engagement zu erleichtern. Welch ein Segen ist da die Möglichkeit, Dokumente auch ausführlichsten Umfangs per E-Mail in Sekundenschnelle weiterschicken zu können … Auch die Vor- und Nachbereitung der BAFM-Verbands-konferenz und die Unterstützung der ansonsten tagenden Kommissionen ist selbstverständlich.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Ausbildung zur Mediatorin, zum Mediator. Zehn BAFM-Institute existieren inzwischen bundesweit. Sie haben neben ihren regelmäßigen Sitzungen im Beirat der Institute einmal im Jahr eine Konferenz – die vorbereitet sein will -, auf der über Standards, Eingangsanforderungen, Verschiebungen im Lehrkanon etc. diskutiert wird. Sehr viele Interessierte an einer Mediationsausbildung melden sich aber als Erstes in der Geschäftsstelle. Es gibt für sie eine Broschüre, die angefordert werden kann. Davor liegt aber oft das Gespräch, das sie mit uns suchen. Häufig entsteht der Fort-bildungswunsch nach langen Jahren anderweitiger Berufstätigkeit, sie wollen sprechen über Perspektiven, ihre eigenen Wünsche, oft auch nur – legitimerweise – übers Geld, was es denn so zu verdienen gäbe bei uns. Manchesmal ist auch eine Enttäuschung nicht zu vermeiden, wenn Anrufer finden, sie brauchten eigentlich gar keine Ausbildung mehr, um BAFM-Mediator zu werden, weil sie schon immer so gut vermitteln konnten, zwischen den Eltern früher, wahlweise: zwischen den Geschwistern, zwischen den Schülern in der Schule: oder die Richter, die gern den Satz sagen: Mediation mache ich eigentlich
sowieso schon immer…
Das Anliegen der Geschäftsstelle ist dann, über Mediation aufzuklären, wo möglich zur Ausbildung zu ermuntern, aber auch das Ziel Mediation nicht zu versimpeln, sondern bei der durchaus schwierigen (und schönen) Wahrheit zu bleiben.
Neben dem Ausbildungsbereich bildet der direkte Draht zu möglichen Klienten ein weiteres weites Feld: Was sind wir ohne unsere Klienten? – aber auch: Was dürfen sie von uns erwarten, was haben wir zu bieten? Zum Glück berichtet die Presse doch zunehmend
über Mediation, wenn auch oft unter dem schmalen Aspekt “Wie kriege ich eine billige Scheidung?”. Egal, wichtig ist, dass die Menschen von der Möglichkeit erfahren. Täglich kommen Anrufe, Faxe, Briefe, die nach Mediation fragen, die Adressen im Wohnbereich benötigen. Auch hier wird dann oft Aufregung und Angst spürbar, vielleicht wird zum ersten Mal dieser Satz ausgesprochen:
Mein Mann und ich wollen uns trennen … Und dies erste Gespräch über Mediation kann dann Bedenken zu nehmen versuchen, ermutigen. Wir haben in der Geschäftstelle eine kleine Broschüre erarbeitet (”Was ist Mediation”), die diejenigen dann unentgeltlich zusammen mit der Adressenliste zugeschickt bekommen. Auch dies ein bundesweiter Service.
Fazit: Wer sich die Mediation zum Berufsfeld erwählt hat, wird versuchen, in seinen eigenen Beziehungen deren Prinzipien nicht zu verraten – oder positiv ausgedrückt: Die BAFM-Mitglieder haben große Chancen und Kompetenzen erworben, mit sich und anderen ein Gran fairer und klarer, ohne Intrige und mit Zuversicht zur Sache umzugehen. Die Geschäftsstelle versteht sich in diesem Sinne als ein Bestandteil des BAFM-Netzwerkes, das sicher weiter wachsen wird, nach außen wie nach innen.
Sabine Zurmühl, Geschäftsführerin der BAFM, Olivaer Platz 15, 10707 Berlin,
vww.bafm-mediation.de
bafm-mediation@t-online.de
Aus Kind-Prax 1/2003
