BAFM
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.

Vernetzung und Europäisierung in der Mediation

Die Vernetzung der Mediationsverbände in Deutschland beginnt im “Deutschen Forum für Mediation”, die Europäisierung der Mediationsidee zeigt sich am “Europäischen Forum für Mediation”, das im Mai in Helsinki viele Gäste erwartet.

Mediatorinnen und Mediatoren, die schon einige Jahre in ihrem Beruf tätig sind, werden sich erinnern, dass die Organisation der einzelnen Mediationsverbände lange Zeit disparat und unkoordiniert verlief, so, wie es für das Wachsen einer Idee und die Vielfalt des Berufsbildes Mediatorin nicht anders zu erwarten war. Als dann die BAFM am 5.3.2005 zum ersten Mal zu einem gemeinsamen Treffen lud, auf dem sich Organisationen und Verbände (endlich) begegneten, die bislang keinerlei institutionalisierten Kontakt zueinander gehabt hatten, war es deutlich: Die Zeit für eine solche Art von gemeinsamem Kontakt und Austausch war gekommen. Es trafen sich u.a. so unterschiedliche Verbände wie die “Gesellschaft für Wirtschafts-mediation und Konfliktmanagement”, die “Centrale für Mediation”, der “Bundes-verband Mediation”, die “Deutsche Gesellschaft für Mediation”, die AG “Mediation” im Deutschen AnwaltVerein. Schnell stellte sich heraus, dass es für drei Themen ein längerfristiges und übergreifendes Interesse geben würde:
1. Öffentlichkeitsarbeit,
2. die Formulierung einer Präambel,
3. eine Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Ausbildungsgänge
und Qualifizierungsmerkmale von Mediatorinnen.

Das Netz begann, sich zu entwickeln. Zwei Mal im Jahr finden Treffen statt. Mit den Schritten gemeinsamen Tuns wurden Übereinstimmungen schnell klar, ebenso aber auch Differenzen, die Zeit brauchen und für die die Klärung nicht mit schnellen Lösungen bereitsteht.

Am 15. März 2006 fand in Frankfurt am Main das vierte Treffen statt mit beachtlichen Ergebnissen: Die Runde hat sich auf einen gemeinsamen Namen geeinigt: “Deutsches Forum für Mediation”. Dieser Name trägt einerseits der Diskussions- und Debattierbereitschaft der Beteiligten Rechnung, wie es sie auf dem Forum des antiken
Rom gegeben haben soll. Andererseits entspricht er in seiner Struktur den internationalen Gewohnheiten und wird hoffentlich gut in internationale Bezüge integrierbar sein.

Weiterhin wurde auf dem letzten Treffen eine gemeinsame Präambel verbindlich beschlossen, die auf den European Code of Conduct for Mediators verweist und u.a. festhält: “Das Deutsche Forum für Mediation steht für Toleranz, Gewaltfreiheit, Respekt
und Autonomie” (siehe auch
www.bafm-mediation.de/0rganisation/Deutsches Forum für Mediation).

Ein weiteres Feld der gemeinsamen Arbeit bleibt die Öffentlichkeitsarbeit, in der durchaus unterschiedliche Strategien diskutiert werden für das Ziel, die Idee der Mediation in der Öffentlichkeit bekannter zu machen und einen gemeinsamen Internetauftritt zu entwickeln. Vorgestellt wurde auch einige Slogans, so u.a. “Mediation – Ihre Kinder danken es Ihnen”, “Mediation: Konflikte fair regeln”,
“Mit Verhandeln ans Ziel: Mediation”, “Mediation: Vom Problem zur Lösung” u. v. m.

Wichtig bleibt auch die Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Ausbildungs-standards, zu denen Fragebogen erstellt wurden, deren Auswertung einer späteren Phase vorbehalten bleibt. Ebenso unterliegt es noch einer Debatte, wie der Mitgliedsstatus der einzelnen Gruppen und Verbände zu definieren ist. Faktum bleibt, dass das “Deutsche Forum für Mediation” wichtige Schritte der Kooperation und Vernetzung vollzieht. Eine Entscheidungsfindung, die nicht zuletzt selbst den Prinzipien der Mediation verpflichtet
ist im Sinne von Autonomie, Offenheit, Verlangsamung, wo nötig, und last but not least positiver Konnotation und Zielorientierung.

Nicht zufällig folgt das “Deutsche Forum für Mediation” in seiner Namensgebung einem neuen internationalen Zusammenhang, dem “Europäischen Forum für Mediation”. Im September 2005 wurde anlässlich des WorId-Mediation-Forums in der Schweiz die Gründung eines Europäischen Forums für Mediation beschlossen. Mit der Gründung
wurde das bereits existierende Nordic Forum for Mediation and Conflict Management (NFM) beauftragt. Eine erste Konferenz in Helsinki/Finnland wird in der Zeit vom
25. bis 27. Mai 2006 stattfinden.

Der Präsident des NFM, der Norweger Dag Hareide, hatte je einen Vertreter von
48 Europäischen Nationen zu einem Vorbereitungstreffen in Kopenhagen am
29. November 2005 eingeladen. Als Kontaktperson für Deutschland nahm Christoph C. Paul, der Sprecher der BAFM, dort teil. Inzwischen wird deutlich, dass das europäische Interesse groß ist. Es werden u.a. Repräsentanten erwartet aus: Albanien, Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Kroatien, Mazedonien, Niederlande, Nord-Irland, Österreich, Polen, Schottland, Serbien, Slowakei und Spanien, Türkei, Ungarn (Programm und nähere Informationen sind zu lesen auf: www.ssf-ffm.com/english/confe-rence.htm). Der Vielfalt der Länder, die teilnehmen, entspricht eine Vielfalt der Themen, über die Erfahrungsaustausch, Anregung, Information und Demonstration erfolgen sollen:

Täter-Opfer-Ausgleich, Schulmediation, Familienmediation, interkulturelle Mediation, Friedens- und Umweltmediation, gerichtsnahe Mediation, Wirtschaftsmediation.

Es wird deutlich, dass die Mediationsszene an einem historischen Punkt angekommen ist:

Die unterschiedlichsten Anwendungsfelder haben sich etabliert, in einem kooperativen und konstruktiven Nebeneinander scheinen sie inzwischen selbstverständlich, sind eingegangen in ein Konfliktbewusstsein, eine neue Konfliktkultur, die die Suche nach einem Konsens und einer tragfähigen gemeinsamen Regelung von Konflikten für wertvoll erachtet. Unterschiedlichkeit nicht als Hindernis, sondern als Ressource von Kräften, Ideen, Erfahrungen, und als Zeichen von Offenheit und Neugierde aufeinander.

Sabine Zurmühl, M. A./Geschäftsführerin BAFM, Mediatorin (BAFM)

Siehe auch: www.bafm-mediation.de/Organisation


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