BAFM
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.

Neuer BAFM-Vorstand:

Rückblick & Ausblick

Am 24. Januar 2006 tagte der in der Mitgliederversammlung vom 20. November 2005 in Nürnberg gewählte neue Vorstand der BAFM das erste Mal.
Zunächst wurden auf der Mitgliederversammlung die vielen Jahre der kooperativen und inspirierenden Zusammenarbeit mit Lis Ripke und Hansjörg Schwartz in ihrer Amtszeit noch einmal gewürdigt. Us Ripke, Anwältin und Ausbilderin in Heidelberg, hatte im Frühjahr 2005 den 5. Fachkongress der BAFM maßgeblich ausgerichtet und mit den Mitteln der Open-space-Arbeit eine Bereicherung in die Gruppen-erfahrungen gebracht.
Hansjörg Schwartz, Diplom-Psychologe aus Oldenburg, hatte immer wieder die Kooperationsbereitschaft der BAFM zu anderen Verbänden betont und zudem mit seiner Methodenvielfalt in der Praxis überrascht. Die BAFM wünscht ihm eine
gute Zukunft in den USA.
Neben den üblichen Vorstandsgeschäften wie Abstimmung von Protokollen, Besprechung von Haushaltsfragen etc. wurden an dem ersten Vorstandstreffen der BAFM in Berlin die Schwerpunkte der BAFM für das Jahr 2006 entworfen, abgewogen und die zukünftigen Aufgaben verteilt.
Zum neuen Vorstand gehören jetzt: Friederike Woertge und Prof. Dr. Michael Pieper.
Rechtsanwältin Friederike Woertge, vielen nicht nur als mutige Mittlerin zwischen juristischen Werten und mediativem Handeln bekannt, sondern auch als Malerin, hat die Arbeit des Vorstands seit langem äußerst kreativ und kenntnisreich unterstützt. Darüber hinaus hatte sie – zusammen mit der Nürnberger Gesellschaft für Mediation – der BAFM und vielen interessierten öffentlichen Personen der Stadt und des Landes im November 2005 eine hinreißende Fachtagung bereitet.
In Prof. Dr. Michael Pieper, Professor für Soziologie in der Sozialen Arbeit und Präsident an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, haben wir einen Mediator der ersten Stunde in Deutschland für unser Vorstandsteam gewinnen können. Wir kennen Michael Pieper seit Jahren als balancierten Mittler und Moderator mit leiser, unbestechlicher Genauigkeit. Mit seiner – auch administrativen – Erfahrung wird er unsere Vorstandsarbeit bereichern und wir freuen uns sehr auf 3 Jahre inspirierender und vertrauensvoller Zusammenarbeit.
Jutta Lack-Strecker und Christoph C. Paul, beide seit dem Heidelberger Kongress im März 2005 Träger der Ehrenbezeichnung “Urgestein der Mediation”, waren einstimmig wiedergewählt worden. Wer mehr über den neuen Vorstand wissen möchte: www.bafm-mediation.de.
Womit wird sich die BAFM im Jahre 2006 beschäftigen müssen, welche neuen Akzente sollen gesetzt werden? Welche Themen und Arbeitsbereiche tragen den aktuellen Entwicklungen unserer Profession Rechnung?

I. Da ist zunächst einmal der von der BAFM am 5.3.2004 initiierte Austausch mit anderen Verbänden, der inzwischen an Fahrt gewinnt, sich eine gemeinsame Präambel gegeben hat, einen gemeinsamen Internetauftritt anstrebt sowie die Diskussion über Ausbildungsqualifikationen führt. Der vorläufige Name “Interessenverband Mediation” soll noch zu einer endgültigen Form gebracht werden, die den internationalen Entwicklungen Rechnung trägt, z.B. “Deutsches Forum für Mediation” entsprechend dem “European Forum of Mediation”, das sich im Mai 2006 in Helsinki konstituieren wird.

II. Finanzierungsmodelle für Mediation stellen ein wichtiges Thema dar. Die wertvolle und effektive Methode der Mediation müsste in größerem Maße auch Menschen zugänglich sein, die dies aus eigener Tasche nicht oder nicht vollständig bezahlen können. Hilfreich wird hier auch die Debatte um Media-tionskostenhilfe, die nach einem Vorschlag von Dr. Mähler, München, aus der in der Prozesskostenhilfe durch Mediation eingesparten Summe gespeist werden könnte.

III. Die Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsbeirat der Institute wird ein wichtiger Teil der Vorstandsarbeit bleiben. Dabei wird einerseits zu entscheiden sein, inwieweit BAFM-MitgIieder, die ja tätige Mediatorinnen sind, sich selbst zu Fort- und Weiterbildung verpflichten. Andererseits bedarf es der Entscheidung, wie Mediatorinnen, die an anderen als den BAFM-Instituten ausgebildet wurden, einen angemessenen Zugang zur Mitgliedschaft in der BAFM erhalten können, ohne die Standards der BAFM unscharf werden zu lassen.

IV. Immer wichtiger wird der Erfahrungsaustausch und auch eine berufspolitische Einschätzung zu den juristischen Bereichen und dessen Entwicklungen zum Thema Mediation. So realisiert sich in der sog. “gerichtsnahen Mediation” ein justizinternes Berufsfeld für Richter, die eine Zusatzausbildung -als Mediatorinnen- erhalten und so diese Methode in ihren Gerichtsalltag einbeziehen lernen. Die Beziehung dieser “gerichtsnahen Mediation” zu den frei tätigen Mediatorinnen bedarf noch einer klareren Konturierung.

V. Ebenfalls im juristischen Feld hat sich dieEmpfehlung einer Mandatorischen Information zur Mediation entwickelt. Werden Paare im juristischen Verfahren verbindlich an eine Information zur Mediation verwiesen, so haben sich die Mitglieder der BAFM bereit erklärt, für diese – kostenlosen – Informationsgespräche über Mediation zur Verfügung zu stehen,

VI. Wie alle politischen Organisationen wird in der BAFM immer wieder beraten, mit welcher Öffentlichkeitsarbeit sie generell die Idee der Mediation und speziell sich selbst als Berufsverband und Ausbildungsinstitution in der Öffentlichkeit präsentieren sollte. Die Debatte um große und kleine Lösungen, Medienpräsenz und bundesweite Kampagnen verlangt Phantasie, Entschlussbereitschaft und Geld.

Zum Schluss: In dieser Vorstandssitzung durfte auch die Würdigung der so guten und freundlichen Kooperation der Kind-Prax-Redaktion und der BAFM nicht fehlen. Wir blicken nunmehr auf 8 Jahre innovativer und vertrauensvoller Kooperation zurück, und gratulieren der Kind-Prax zu dem “Ergebnis einer Literaturauswertung in dem vom Bundesfamilienministerium initiierten Forschungsprojekt:
Zur Umsetzung der Kindschaftsrechtsreform in der Jugendhilfe, das die Kind-Prax mit ihren Beiträgen zu diesem Thema weit vor allen Fachzeitschriften an der Spitze sah” (Siegfried Willutzki [6/2005, S. 195]).
Wir teilen das Bedauern Prof. Siegfried Willutzkis (und vieler anderer), dass es die Kind-Prax in ihrer bewährten Erscheinungsform nicht mehr geben wird.
Wir haben mit viel Respekt das letzte, so aufrichtige Editorial der Kind-Prax
Nr. 6/2005 gelesen und über den humorvollen letzten Absatz geschmunzelt. Wir werden der Empfehlung Siegfried Willutzkis zu Zuversicht und Vertrauen folgen, und zuversichtlich sein, dass die Zusammenlegung von Kind-Prax und dem fast 100 Jahre alten Zentralblatt für Jugendrecht gelingen und reichlich Früchte tragen möge.
Wir freuen uns darüber, dass Mediation in der neuen, auch sehr ansprechend gestalteten ZKJ einen guten Platz haben wird, und wir werden unsere Mitglieder zu aktuellen Beiträgen, besonders aus deren reichhaltiger Praxis, anspornen. Den bewährten Schriftleitern und der engagierten Redaktion und der jungen ZKJ wünschen wir alles Gute und uns mit Ihnen eine produktive Zusammenarbeit.

Jutta Lack-Strecker, Sprecherin der BAFM, Mediatorin (BAFM)

Christoph C. Paul, Sprecher der BAFM, Mediator (BAFM)

Sabine Zurmühl, Geschäftsführerin der BAFM, Mediatorin (BAFM)


back