BAFM
Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.

Hannelore Diez wurde auf der Mitgliederversammlung der BAFM im November 2006 zum ersten Ehrenmitglied der BAFM gewählt. In dieser Wahl wurde deutlich, wie viele Kolleginnen und Kollegen sich Hannelore Diez in Anerkennung und tiefer Dankbarkeit verbunden fühlen. Ein Brief des Vorstands mit der Nachricht, dass die BAFM sich freuen und geehrt fühlen würde, wenn Hannelore Diez diese Wahl annähme, erreichte sie noch zusammen mit einem Strauß Blumen. Aber im Dezember 2006 starb die streitbare, für die Entwicklung der Mediation in Deutschland so wichtige Kollegin. Unsere Erinnerung gilt nicht nur der engagierten Mediationsexpertin, sondern in ihrer Genauigkeit und Präzision des Denkens und Handelns und ihrer Kreativität auch der Kirchenmusikerin Hannelore Diez.

Hannelore Diez war 1992 bei der Gründung des “Instituts für Mediation und Scheidungs-beratung” (IMS) schon 10 Jahre Leiterin und Mitbegründerin des “Familien-Notruf München”. Die Gründung des IMS begann bereits 1989 mit dem ersten Ausbildungs-kurs, den Gary Friedman leitete.
Hannelore Diez war vom ersten Augenblick an von der Idee und dem Wesen der Mediation gefangen. Begriffe wie Selbst-verantwortung, Selbstkompetenz und Experte-Sein in eigener Sache faszinierten sie. Sie versuchte, die gelernten Elemente der Mediation sofort in der Beratungsstelle anzuwenden und in das Curriculum ein-

zuarbeiten, das die Grundlage für die erste Ausbildung des IMS werden sollte. Sie konzipierte ein Modell der mediationsanalogen Supervision, sie erschloss neue Aspekte
für die Mediation, z. B. die Einbeziehung von Kindern. Mit Hannelore Diez verliert nicht nur das IMS, sondern auch die gesamte Mediationsszene in der Bundesrepublik eine kühne, unabhängige und Neuem immer aufgeschlossene Mediatorin. Persönlich war und blieb Hannelore Diez ein unabhängiger frei denkender Geist, immer in Bewegung, immer konstruktive Unruhe stiftend, immer bereit, Neues auszudenken und auch anzuwenden. Ihre Bücher, ihre Kollegen und ihre Ausbildungsteilnehmer geben Zeugnis davon.

Walter J. Lehmann Vorsitzender des IMS und kollegialer Freund

Drei Bilder tauchen auf

-Hannelore bittet Gisela, sich für den Vorstand des damaligen Trägervereins des Familien-Notruf München, der DAJEB, zur Wahl zu stellen und sich dort für Notruf-Belange einzusetzen. Daraus wurde eine jahrelange kreative Zusammenarbeit. (Ende 1985)

-Hannelore, Gisela und Hans-Georg sitzen auf einem Hügel über dem Pazifik nahe
San Francisco in der Sonne vor glitzerndem Meer. Eine Pause im Mediationsseminar
mit Gary Friedman. Wir träumen von Mediationslandschaften zu Hause. Anschließend Weiterreise in das winterliche New York zu einem Seminar mit John Haynes. Wir haben Entdeckungshunger. (Dezember 1989)

-Evangelische Akademie Bad Boll: Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation. Die Gründungssprecher werden Hannelore Diez und Hans-Georg Mähler (Januar 1992).

Mit ihrer Phantasie, ihrem Eigenwillen und ihrer Kraft war Hannelore uns eine unvergessliche Weggefährtin in dem Bemühen, den Schatz der interdisziplinären Zusammenarbeit für Familien nutzbar zu machen.

Gisela und Hans-Georg Mähler
Eidos Profekt Mediation

Dank an Hannelore Diez

Sie ist uns eine kraftvolle Kollegin, Chefin und Mitstreiterin über mehr als ein Jahrzehnt gewesen.

Als erste Leiterin des Familien-Notruf München hat sie Kompetenz und Kreativität gefördert und gefordert. Wir Kollegen und Mitarbeiter sind daran gewachsen. Als Sozialpädagogin hat sie selbstbewusst den Bezug zur Lebenspraxis ins Zentrum der Beratung gesetzt.

Als Querdenkerin hat sie als eine der Ersten die Bedeutung der Kinder in der Mediation in den Blick genommen und ihnen auch ganz praktisch in der Mediation Platz verschafft. Als neugierige und wissensdurstige Pionierin ist sie in die USA gegangen, um dort Mediation
zu lernen.

Als engagierte Bürgerin hat sie die fachpolitische Diskussion zu Trennung und Scheidung
in München und Deutschland angestoßen.

Stefan Mayer
für die Mitarbeiter/innen des Familien-Notruf München

Für Hannelore Diez war Mediation nichts Magisches sondern Praktisches. Als Media-tionsausbilderin wollte sie Handwerkszeug vermitteln. Sie entwickelte einen “Grundbau-plan” sowie die dazu passenden und “methodischen Bausteine.” Sie baute mit Heiner Krabbe zusammen die “Mediationswerkstatt” Münster auf, als einen Ort des Experi-mentierens, gemeinsamen Arbeitens und Fortentwickelns. Frühzeitig dachte sie über die Erweiterung der Familienmediation nach und begann, mit derselben Methodik sich nach und nach neue Tätigkeitsfelder zu erschließen: Mediation in den verschiedenen Feldern von Ehe und Familie, am Arbeitsplatz, im Team, bei Umweltkonflikten, in der Schule und in der Wirtschaft. Gleichzeitig entwickelte sie ein Curriculum für eine “Bausteine”-Ausbildung, die sie in der Schweiz anbot. Daneben entstand die “mediationsanaloge Supervision”, die
in derselben Haltung, mit denselben Prinzipien und Methoden wie in der Mediation stattfindet, und die sie mit Walter Lehmann und Cornelia Sabine Thomsen als Weiterbildung für Mediatoren durchführte.

Heiner Krabbe/Cornelia Sabine Thomsen
Mediationswerkstatt Münster

Mit Hannelore Diez verband mich seit vielen Jahren eine Art “Fach-Freundschaft”, eine respektvoll-herzliche Beziehung, bei der das gemeinsame Interesse an der Mediation im Mittelpunkt stand; nur selten haben wir über Privates gesprochen. Hannelore war es gewohnt, über den Tag hinaus zu denken:

Schon am Ende des ersten Workshops mit G. Friedman fand sie es an der Zeit, eine
“Mediationsakademie” zu gründen. In ihrem unbeirrbaren Engagement für die Mediations-arbeit stellte sie hohe Qualitätsanforderungen an sich selbst und an andere. Damit und durch ihre Fähigkeit, Schwachstellen und Unfertiges zu erkennen und ungeschminkt beim Namen zu nennen hat sie, eine mutige und streitbare Frau, sich nicht immer Freunde gemacht. Noch in ihrem letzten Lebensjahr, als ihre körperlichen Kräfte schon nachließen, liebte sie es, “gemeinsam zu denken” (wie sie es nannte), d.h. ohne irgendwelche Zwecke neue Ideen und Projekte zur weiteren Entwicklung der Mediation auszuspinnen und im Gespräch abzuwägen.

Ich verdanke Hannelore viel, sie wird mir fehlen; und ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, denen es ebenso geht.

Michael Pieper
Stelllv. Sprecher der BAFM, IMS


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