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  • Ausbildungsordnung der BAFM für Familien-Mediation

     

    I. Ziel, Gegenstand, Grundlagen

    Ziel der Zusatzausbildung ist eine fundierte interdisziplinäre Ausbildung, die zur qualifizierten Ausübung der Familien-Mediation befähigt. Gegenstand der Familien-Mediation ist eine außergerichtliche Regelung familiärer Konflikte, Krisen und Probleme in ehelichen, nichtehelichen und nachehelichen Beziehungen. Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf diesen Begriff der Familien-Mediation. Sie basieren auf Erfahrungen aus der Trennungs- und Scheidungsmediation.

    Grundlage für diese Ausbildungsordnung und das Berufsbild von Familienmediatoren/innen sind die „Richtlinien der BAFM für Mediation in Familienkonflikten“. Die Ordnung ist inhaltlich und formal abgestimmt mit der „Europäischen Charta zur Ausbildung von Familienmediatoren im Bereich von Trennung und Scheidung“.

     

    II. Struktur

    Die Zusatzausbildung umfasst die Vermittlung fundierter Fachkenntnisse unter Einbeziehung wissenschaftlicher Grundlagen und Forschungsergebnisse und die Einübung von Techniken sowie die Reflexion persönlicher Erfahrungen.

    Die Zusatzausbildung besteht aus:

    1. Seminaren

    Die Seminare beziehen sich auf – den Kernbereich der Mediation („Essentials“) einschließlich professions- und themenbezogener Selbstreflexion (siehe auch IV 1.), die gesellschaftlichen, rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen der Mediation (IV 2.) sowie auf notwendige interdisziplinäre Kenntnisse zur Ergänzung der Qualifikation aus dem Eingangsberuf (IV 3.).

    2. Supervision

    3. Fallarbeit und Dokumentation

    4. Hospitation / Covision / eigenständiger Gruppenarbeit (IV.4.)

    Didaktisch wird neben der reinen Wissensvermittlung im praktischen Erwerb mediativer Fähigkeiten und Fertigkeiten mit Rollenspielen, berufs- und themenspezifischer Selbsterfahrung, Dokumentation der Fallarbeit, Reflexion der eigenen Tätigkeit im beruflichen Kontext und der Reflexion zur eigenen Praxis unter Supervision gearbeitet.

    Die Ausbildung kann sowohl in Form kontinuierlicher zusammenarbeitender Gruppen (gruppenprozessorientiertes Modell) als auch in Form eines Bausteinsystems aufgebaut sein (Modulsystem).

     

    III. Adressaten

    Voraussetzung für die Zulassung zur Ausbildung sind

    • ein abgeschlossenes psychologisches, sozialwissenschaftliches Hochschulstudium (Dipl.-Psych., Dipl.-Soz.-Päd., Dipl.-Soz.-Arb., Dipl.-Päd.), eine juristische Ausbildung oder eine vergleichbare Qualifikation,
    • eine zweijährige einschlägige Berufserfahrung, die in der Regel nach Studienabschluß absolviert sein sollte,
    • die Möglichkeit, bereits während der Ausbildung Mediation zu praktizieren. Hierfür haben die Teilnehmer selbst Sorge zu tragen.

    Über die Aufnahme und über Ausnahmen entscheidet verantwortlich gegenüber der BAFM das Ausbildungsinstitut.

    Die Teilnehmer können nach Abschluß der Ausbildung bei einem anerkannten Ausbildungsinstitut satzungsgemäß den Antrag auf ordentliche Mitgliedschaft bei der BAFM stellen.

     

    IV. Lerninhalte

    1. Zur Vermittlung des Kernbereiches der Mediation („Essentials“) gehören Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sich schwerpunktmäßig auf folgende Gebiete erstrecken:

    • Kenntnisse über Indikation, Struktur und Ablauf der Mediation, die unterschiedliche Aufgabenstellung des Mediators / der Mediatorin in den verschiedenen Phasen,
    • Kenntnisse über Wesen und Grundannahmen der Mediation, namentlich Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Konfliktpartner in ihrer Dialog-, Kooperations- und Gestaltungsfähigkeit,
    • Methoden und Techniken der Mediation im Rahmen ihrer kommunikativen Struktur,
    • Spezielle Fähigkeiten des Mediators/der Mediatorin , z.B.
      • teilnehmende Neutralität
      • Verhandlungsführung, z.B.vom positionellen zum interessengerechten Verhandeln
      • Akzeptanz der Unterschiedlichkeit der Sichtweisen und Interessen der Konfliktpartner
      • Strukturierung der verschiedenen Inhalte und Themen der Mediation
      • Umgang mit unterschiedlichen Machtverhältnissen auf der Beziehungs- und Ressourcenebene
      • inhaltliche Erweiterung des Entscheidungsraumes
    • Kinder und Jugendliche in der Mediation,
    • Vermittlung von Techniken zur Entscheidungsfindung,
    • Besonderheiten der Co-Mediation,
    • Fairness,
    • Die Rolle des Rechts,
    • Der Umgang mit psychodynamischen Vorgängen.

    2. Zur Vermittlung der gesellschaftlich, rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen gehören schwerpunktmäßig folgende Inhalte:

    • Mediation als Konfliktlösungsmodell im Unterschied zu traditionellen Formen der juristischen Vorgehensweisen und der Beratung und Therapie, die besondere prozedurale Kompetenz von Mediation und ihre Grenzen,
    • die Ethik der Mediation, das Menschenbild hinter der Mediation, Mediation als Form einer neuen Streitkultur,
    • die verfahrensmäßige Einbeziehung von Mediation in das herkömmliche juristische Verfahren, namtlich das Scheidungsverfahren (ZPO, FGG, KJHG) und die interprofessionelle Zusammenarbeit mit Beratungsanwälten sowie Richtern sowie die Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen, Beratern und Therapeuten sowie Vertretern der Jugendämter,
    • die institutionelle Ansiedlung von Mediation, die Richtlinien der BAFM zur Familienmediation, der Aufbau und Beteiligung an regionalen Netzwerken,
    • die Beachtung institutioneller, standes- und strafrechtlicher Grenzen, namentlich zur Verschwiegenheit, zum Datenschutz und ( bei Anwälten/innen ) zum Parteiverrat.

    3. Zur Vermittlung der notwendigen interdisziplinären Grundkenntnisse gehören schwerpunktmäßig :

    • auf rechtlichem Gebiet:
      • Grundzüge des materiellen Familienrechts, insbesondere Sorge-, Umgangsrecht, Kindes- und Ehegattenunterhalt, Hausrat, Ehewohnung, Vermögensauseinandersetzung, Altersvorsorge
      • Grundzüge des Verfahrensrechtes
      • Vertragstypische Gestaltungsformen bei Eheverträgen und Scheidungsvereinbarungen
      • Typische rechtsgewährende Normen (Wohngeld, Kindergeld, BAFöG, Sozialhilfeleistungen, usw.)
      • Steuerrechtlich bedeutsame Gestaltungsformen;
    • auf psychologischem und sozialwissenschaftlichem Gebiet über die beschriebenen Inhalte im Kernbereich hinaus:
      • Familiendynamik bei Trennung und Scheidung
      • Entwicklungspsychologische Aspekte bei Kindern und Jugendlichen
      • Psychologische Konzepte wie Krise, Konflikt, emotional-kognitive Bewältigung, Verlust, Schuld, Bindung, Gewalt und Macht
      • Selbstreflexion und Betroffenheit.

    4. Supervision und Covision

    Die Supervision wird als Gruppensupervision oder in Einzelsupervisionen durchgeführt. Die eigenständige Gruppenarbeit bezieht sich auf Erfahrungsaustausch und Literaturstudium. Covision wird nach Modellen ausgeführt, die zuvor in den Seminaren vermittelt worden sind. Die Supervisoren gehören entweder einem Ausbildungsinstitut an oder werden von diesem bestellt, Hospitationen werden bei Institutionen oder Personen anerkannt, die von den Ausbildungsinstituten bestätigt sind.

     

    V. Abschluß

    1. Nachweise für den Abschluss

    Die Zusatzausbildung umfaßt mindestens 200 Zeitstunden. Die gliedern sich auf in:

    • Seminare mit mindestens 140 Zeitstunden, die sich auf die in Ziffer IV. genannten Lerninhalte beziehen. Davon entfallen mindestens 120 Zeitstunden auf den Kernbereich Mediation – diese werden unter Beachtung der gültigen Ausbildungsrichtlinien von einem Institut curricular verantwortet,
    • Teilnahme an angeleiteter Supervision, mindestens 30 Zeitstunden,
    • 30 weitere Zeitstunden wahlweise als Seminar, angeleitete Supervision und/oder Covision/Hospitation, wobei auf Covision/Hospitation und eigenständige Gruppenarbeit maximal 20 Zeitstunden angerechnet werden.

    Außerdem werden vier Fälle vorgelegt. Davon sind mindestens zwei Fälle vollständig zu dokumentieren; von diesen zwei Fällen endet mindestens ein Fall mit Memorandum bzw. einer Vereinbarung. Von diesen beiden Fällen muss einer aus dem Bereich Trennung/Scheidung einschließlich wirtschaftlicher und rechtlicher Aspekte dokumentiert werden. Der dritte und vierte Fall können aus anderen Mediationsfeldern sein.
    Sollte ein Fall nicht mit einem Memorandum bzw. einer Vereinbarung abgeschlossen worden sein, tritt an dessen Stelle eine ausführliche Reflexion, aus welchen Gründen die Mediation sonst beendet wurde. Für die restlichen zwei Fälle reicht es, wenn sie in der angeleiteten Supervision vorgestellt worden sind und diese Supervision dokumentiert wird. Insoweit können jedoch auch vollständige Falldokumentationen vorgelegt werden. Die Fälle sollten mindestens jeweils vier Sitzungen umfassen.

    Die Dokumentation zeichnet die einzelnen Sitzungen nach und bezieht sich hierbei auf die Fakten einschließlich der vorläufigen Teilergebnisse. Desweiteren beinhaltet sie eine Analyse der Konfliktdynamik der Beteiligten. Dies schließt die Beurteilung der Indikation des Mediationsverfahrens zum aktuellen Zeitpunkt mit ein. Darüber hinaus ist die persönliche Reaktion des Mediators/in auf die Konfliktdynamik darzustellen und zu reflektieren. Die Hypothesenbildung und -reflexion zum Mediationsprozeß sowie offene Fragen und Planung der jeweils nächsten Schritte sind zu beschreiben.

    Co-Mediation wird dann anerkannt, wenn der Teilnehmer die Mediation verantwortlich mitgestaltet hat.

    Voraussetzung für die Zulassung zum Abschluß ist ferner die Anerkennung der Richtlinien der BAFM zur Familienmediation.

    2. Abnahme des Abschlusses

    Die Ausbildung wird auf Antrag der Kandidaten bei der Abschlusskomission des Ausbildungsinstitutes abgeschlossen, das die Ausbildung zum Kernbereich verantwortet hat. Dem Antrag sind die Nachweise über die Ausbildung (Ziffer V. 1) beizufügen. über die Anerkennung sämtlicher Ausbildungseinheiten entscheidet das Ausbildungsinstitut.

    Der schriftliche Abschluß besteht aus den Falldokumentationen. Darüber hinaus gewährleistet das jeweilige Ausbildungsinstitut einen expliziten Abschluss mit den Ausgebildeten in geeigneter Form, z.B. Abschlussgespräch oder Colloquium.

    Ist der Kernbereich nicht gruppenprozessorientiert, sondern im Modulsystem vermittelt worden, findet ein Abschluß in Form eines Colloquiums oder eines fallbezogenen Abschlußseminars statt.

    3. Abschlusskommission der Ausbildungsinstitute

    Eine Abschlusskommission besteht aus drei Personen, die ordentliche Mitglieder der BAFM und Mitglied eines Ausbildungsinstitutes sein müssen. Einer Abschlusskommission müssen Mitglieder aus mehr als einem Ausbildungsinstitut angehören. Auf die interdisziplinäre Zusammensetzung der Abschlusskommission ist zu achten. Die Abschlusskommissionen werden auf Vorschlag der anerkannten Ausbildungsinstitute gebildet und vom Vorstand der BAFM eingesetzt.

    Die Abschlusskommissionen nehmen folgende Aufgaben wahr:

    • die Überprüfung der Voraussetzungen für die Ausbildung,
    • die Überprüfung der Nachweise über die Ausbildungsstationen,
    • die Abnahme des schriftlichen Abschlusses,
    • die Ausstellung des Zertifikates über den erfolgreichen Abschluß der Ausbildung.

     

    VI. Ausländische Institute bzw. Trainer

    Seminare oder Supervisionen der von der BAFM anerkannten ausländischen Institutionen und Trainer können in die Ausbildung der deutschen anerkannten Ausbildungsinstitute integriert werden.

    Für den Fall, daß der Kernbereich der Ausbildung von ausländischen, von der BAFM anerkannten Institutionen bzw. Trainern vermittelt worden ist, können sich die Teilnehmer an ein von der BAFM anerkanntes Ausbildungsinstitut wenden, das bereit ist, die Ausbildung im Kernbereich insoweit zu verantworten und dafür Sorge zu tragen, dass fehlende Ausbildungsteile, wie z.B. die Vermittlung der Rahmenbedingungen und des Rechtes sowie Supervision und Fallbegleitung ergänzt werden können. Dieses Institut ist dann auch für den Abschluß zuständig.

     

    VII. Fortbildung und Supervision

    Auf die Obliegenheit zur regelmäßigen Fortbildung und Supervision nach den Richtlinien der BAFM auch nach Abschluß der Ausbildung wird hingewiesen.