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    Nachrichtenteil der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.

    Dezember 2005

    Notizen zur Vorgeschichte des Projekts

    „Evaluation der Familienmediation in der  institutionellen Beratung“

    Die in diesem 6. Heft 2005 der Kind-Prax dokumentierte Zusammenfassung der „Evaluation der Familienmediation in der institutionellen Beratung“ nennt für das Projekt April 2004 bis September 2005 als Zeitraum der Durchführung. Das ist korrekt, denn in den Abschluss-bericht eines Forschungsvorhabens gehören Ergebnisse, nicht aber die Beschreibung eines engagierten, oft mühevollen und langwierigen Gesamtprozesses, der vor einer Bewilligung und Durchführung liegen kann, schon gar nicht die Bezeugung des Respekts oder die Würdigung des Engagements aller Menschen, welche diese Studie erst ermöglicht haben. Deshalb an dieser Stelle einige Anmerkungen darüber, welchen Engagements es in vielen Zusammenhängen – weit vor dem Beginn der nun vorliegenden Untersuchung – bedurfte, um diese erste, bundesweite Evaluation in Zeiten knapper finanzieller Ressourcen möglich werden zu lassen.

    Die Idee des Projektes beruht auf der Empfehlung des Europarates über Familienmediation (Nr. R 98/1) sowie der vom Bundesministerium für Justiz in Auftrag gegebenen Prognosstudie. Diese kommt zu dem Schluss, dass Mediation als ein sachgerechter dritter Weg zwischen psychosozialer und juristischer Konfliktregelung, „der von den betroffenen Eltern als hilfreich, durchschaubar, entlastend und kindbezogen erlebt wird“ (Prognos, 1999, S. 17), zu einem Stan-dardangebot der Jugendhilfe in öffentlicher und freier Trägerschaft entwickelt werden sollte.

    Die Verbandskonferenz der BAFM, gegründet 1997 (Kind-Prax 4/2003), griff diese Empfehlungen auf. Die Erfahrungen zweier vorangegangener Studien, die eine im Auftrag des Sozialministeriums Baden-Württemberg durchgeführt von Prof. Dr. phil. Reiner Bastine, Universität Heidelberg, die andere im Auftrag des Stadtjugendamtes Jena, durchgeführt von Prof. Dr. jur. Roland Proksch, FH Nürnberg, flossen in die weiteren Überlegungen ein.

    Ab September 2000 folgten hochrangige Vertreterinnen und  Vertreter des BMFSFJ und des BMJ der Einladung der Verbandskonferenz der BAFM. Sie beteiligten sich kenntnisreich, kompetent und engagiert an der Diskussion darüber, wie Familienmediation politisch und gesetzlich gefördert und gestärkt werden könnte und bezogen uns in die Überlegungen ihrer Häuser dazu ein. Um die Datenbasis im Hinblick auf diese politischen Tendenzen zu verbreitern, initiierte die BAFM dann das nun in einem ersten Abschnitt abgeschlossene Modellvorhaben.

    Eine Förderung durch das BMFSFJ wurde 2001 unter der Voraussetzung in Aussicht gestellt, dass die Dachorganisationen der institutionellen Familienbera-tung dem Vorhaben zustimmen und es mittragen.

    Diese Abstimmungsprozesse, welche auch Rückwirkungen auf Inhalte und Methoden des Forschungsvorhaben selbst hatten, wären nicht so erfolgreich verlaufen, wären nicht in den vielen Jahren „Verbandskonferenz“ Vertrauen und Respekt zwischen den beteiligten Akteuren gewachsen. Kontroversen wurden in mediativem Geist ausgetragen und stellten immer eine Bereicherung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlichster Disziplinen und Quellenberufe dar.

    Im Juli 2002 wurde ein Antrag mit folgender Projektstruktur vorgelegt:

    • In einem ersten Abschnitt sollte eine bundesweite Erhebung zur Mediation in   Einrichtungen der Institutionellen Beratung durchgeführt werden,

    • in einem zweiten Projektabschnitt waren Expertenrunden für professionelle   Anwender/-   innen von Mediation vorgesehen.

    • Für einen dritten Projektabschnitt war eine 2. Expertenrunde von Nutzerinnen und   Nutzern von Mediation (con-sumer research) geplant,

    • und der vierte und letzte Projektabschnitt sollte sich mit einer Angebots-   optimierung und   dem Transfer in die Praxis auseinander setzen.

    Im Dezember 2002 fand die erste Expertenanhörung im BMFSFJ, Bonn, statt. Im September 2003 wurde deutlich, dass das Gesamtkonzept aus Gründen äußerst knapper finanzieller Möglichkeiten in dem geplanten Umfang zu diesem Zeitpunkt nicht finanzierbar war. Die vorgesehenen Projektleiter, die damals zuständige Referatsleiterin und ihre Mitarbeiterinnen des BMFSFJ sowie der Vorstand der BAFM setzten sich am 7. Oktober 2003 zusammen und erarbeiteten in einer ausnehmend kooperativen Atmosphäre Schritt für Schritt eine Antragsfassung, welche den Projektabschnitt l mit dem Abschnitt 2 so verband, dass dieses Evaluationsprojekt mit einem abschließenden öffentlichen Kolloquium einen eigenständigen Aussagewert bekam.

    Die Ergebnisse und die Reaktionen des abschließenden Hearings zu diesem ersten Teilprojekt am 5. September 2005 -unterstützt durch die Anwesenheit der Mitarbeiterin des zuständigen Referats 202 des BMFSFJ – liegen jetzt vor und sind auf eindeutiges Interesse gestoßen. Die Verbandskonferenz, die BAFM, der Vorstand und die Projektleiterinnen sind an einer Fortsetzung des bundesweiten Modellprojektes interessiert. Weitere Analysen der nunmehr vorliegenden umfangreichen Daten wären nicht nur wünschenswert und sinnvoll und für die Beratungsverbände und die Einrichtungen vorOrthilfreich, sondern sie könnten auch auf mögliche Kenntnislücken hinweisen und Ideen stützen, wie die Nachfrage nach Mediation gefördert werden könnte.

    Für die BAFM ist diese erste Förderung durch das BMFSFJ sowie die Erfahrung einer außerordentlich engagierten Kooperation ein klares Zeichen, dass Mediation vom BMFSFJ Akzeptanz und Unterstützung erfährt. Empirische Grundlagen-forschung ist auch eine entscheidende Voraussetzung für die dringend erforderliche Öffentlichkeitsarbeit, denn ohne empirische Daten sind Kampagnen zur Implemen-tierung von Mediation kaum sinnvoll zu entwerfen.

    Wir danken den Kolleginnen und Kollegen des Projektteams, den Verantwortlichen im BMFSFJ, allen Mitgliedern, besser: allen „MitdenkerInnen der Verbands-konferenz“, sowie den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats. Ohne ihre Kompetenz, ihr Engagement für die Idee der Mediation und ohne ihre unglaubliche Geduld wäre dieses Projekt wohl kaum vorangegangen.

    Allen Freunden der Mediation wünschen wir viele innovative Ideen für das Jahr 2006 und den Mut, auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten, um den demokratischen Kerngedanken der Mediation, das Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft von Konflikten, (wieder-) zu gewinnen und die Chancen von mediativem Handeln in deutschen Landen zu implementieren.

    Für den Vorstand der BAFM

    Jutta Lack-Strecker und Christoph C. Paul

     

    KindPrax 6/2005